Druckschrift 
4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
Seite
193
Einzelbild herunterladen
 

193

Antworten auf Briefe, an Besuchen, an Ehrenbeschickun-gen und Befolgung mancher Vorschriften der Etiquetteermangeln lasse.

Was indessen Lebensweise und Sitten betrifft, soglaube ich, ein Weib, das ich liebte, könnte mich ohnesonderliche Schwierigkeit zu demjenigen machen, wozusie mich nur immer gern hätte. Liebe würde meinermächtig seyn, so viel ich nur meiner selbst mächtig bin,und wohl noch mehr. Ich weiß nicht, ob es mir zum Lobe,oder zum Tadel gereichen mag, daß ich mich bei einem ge-liebten Weibe kaum gegen Sclaverei aufrecht erhaltenwürde; besonders wenn sie die Kunst zu herrschen verstände.

Uebrigens kann ich nicht bergen, daß man mich füreinen ziemlichen Libertin hält, und leider! nicht ganzUnrecht hat. Doch ist es darum, weil ich bisweileneine unartige Zunge habe, bei weiten nicht so arg, alsMancher glauben mag. Ich bin in diesem Punkte nichtimmer, und sonderlich in frühem Jahren nicht, ganzregelmäßig, aber doch nicht auf eine niedrige und schmutzigeArt ausschweifend gewesen. Denn mit allen meinenGebrechen Leibes und der Seele war ich doch jederzeitbei Weibern und Mädchen nur zu gut gelitten*), ohne

Das war er in einem sehr hohen Grade.Er war ge-boren, der Lieblingssänger der Weiber zu werden, und trafihr Herz wie kein anderer Dichter. Davon könnte ich mancheangenehme Anekdote erzählen, und ich wundere mich gar nicht,daß er sich so manches Herz gewonnen hat. Ein sehr wackeresWeib gestand mir einmal, daß sie dem lieblichen Sänger noth-wendig hätte in die Arme fallen muffen, wenn er's darauf an-gelegt hätte." So schreibt mir ein Freund von Bürger.

13