Druckschrift 
4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142

des Körpers und der Seele verloren zu haben. Alleseine Freunde und Bekannten, welche das ungemeinholde und liebenswürdige Geschöpf gekannt haben, stim-men darin überein, daß Bürger, wenn er seine Mollybehalten hätte, nicht allein zufrieden und glücklich gelebthaben, sondern auch mit der Zeit gewiß in bessere Ver-mögensumstände gekommen seyn würde. Sie würde ihmLust und Muth und Kraft zum Erwerben verliehen, unddas Erworbene fein zu Rathe gehalten haben.

Ein anderer Brief von Bürger an seinen FreundBoie stellt die Lage seines Herzens und das, was ermit seiner Molly verloren hatte, so schön und rührenddar, daß ich mich nicht enthalten kann, ihn ebenfallsabzuschreiben, und dabei auf den Dank der Leser rechne.

„Göttingen, den 16. März, 1786.

Herzlichen Dank, liebster, bester Boie, für Deinengütigen theilnehmenden Brief! Aechtes Mitleid istimmer ein Becher, wo nicht der Heilung,, dennochwenigstens süßer Labung für den Zerschlagenen, beson-ders wenn ihn eine so liebe Hand wie die Deinige, dar-bietet. — Ich bin ein armer unheilbarer Mensch bishergewesen; ich bin es noch immer fort, und werde esbleiben bis in mein Grab neben der Unvergeßlichen; einarmer, an Kraft und Muth und Thätigkeit gelähmterMensch, der zu jedem Dinge langsam und verdrossen ist»„O, das gibt sich mit der Zeit!" wirst Du mit hundertandern herzensguten Tröstern sagen. Freilich ist wohldie Zeit noch unter allen Trösterinnen die beste; alleinwas sich geben wollte, geben konnte, das hat sich längstund schon in den ersten zwei Tagen gegeben. Was aber