Druckschrift 
4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

141

vermählten nach Göttingen; hatte sich aber kaumdaselbst eingerichtet, als ihn der allerhärteste Schlagtraf, der ihn treffen konnte; als er dasjenige verlor,dessen rechtmäßiger Besitz ihn allein entschädigen konntesür Alles, was er entbehren mußte; mit Einem Worte,als ihm der Tod seine Molly wieder entriß, welche ihmkurz vorher eine Tochter geboren hatte. Wie ihm beidiesem Verluste zu Muthe war, davon gibt die Art,wie er ihn seinen Freunden anzeigte *), nur eine schwacheVorstellung. Er schien nun allen Muth und alle Kraft

Hier ist der Trauerbrief: Auch meine zweite Gattinn,meine liebenswürdige Auguste Marie Wilhelmine Eva,gebvrne Le »»hart, fic, die Ganzvermählte meiner Seele, sie,in deren Leben mein Muth, meine Kraft, mein Alles verwebtwar, hat gestern, am fünfzehnten Tage nach ihrer Anfangsglücklichen Entbindung von einer Tochter, ein grausames, un-überwindliches Fieber gctödtet. O des kurzen Besitzes meinerhöchsten Lebensfreude! Ich kann weder meine unaussprech-liche, ach! so unglückliche Liebe, noch den namenlosen Schmerz,worunter nun mein armes auf immer verwitwetes Herz crseufzt,in Worte fassen. Gott bewahre jedes fühlende Herz vor meinemJammer! Göttingen den 1». Januar, 1786 .

Diejenigen, welche wissen, wie stark er sich gewöhnlich ans-zudrücken Pstcgte, mögen vielleicht hier noch stärkere Ausdrückeerwartet haben. Aber eben diese Mäßigung scheint mir mehrals die allerstärksten Worte, von der großen Heftigkeit seinesSchmerzens zu zeugen. Müßige Affecten bemühete er sich wohl.Andern durch Worte mitzutheilen; allein das, was er jetztempfand, würden Worte doch nimmermehr haben darstcllenkönnen. Auch kommt cs mir vor, als sähe man cs diesemBriefe an, daß Bürger aus die Abfassung desselben nicht vielSorgfalt verwendet, und dabei kaum an sich gedacht habe.