von der Beredsamkeit. IZ5
an einer Kette zusammen. Aber darum mußman sich nicht cinbilden, als ob die Lebhaftigkeitund die Anmuth des Vortrages etwas dabey ver-kehre : Nein, Jerusalem ist kein trockener De»monstrant, und wenn er den Verstand und dasHerzangrcift, so wird auch der Witz und dieEinbildungskraft nicht ungerührt gelassen. Erist sich beständig gleich, und er halt allemal indem Thone aus, womit er angcfangcn hat,welches eine grosse Eigenschaft in vollkommenenWerken ist. Seine Beredsamkeit ist kein vonFelsen herabsiürzender Strohm, sondern cs istein Heller stillfiiessender Vach, welchen von bey-den Seiten grünende Wälder beschatten. SchmidtsReden haben einen Charakter, der sich von bey-den vorigen unterscheidet; er redet beständig dieSprache des AssectS in einer attischen Schreib-art ; er hält das Herz in einer beständigen Be-wcgung , und scheinet im Anfänge nicht genugzu unterrichten; aber das macht, weil er kurzist; in der Vorstellung, die den Asfect giebt,liegt auch zugleich der Unterricht: Er sagt unssehr viel auf einmal, und dadurch bekommen sei-ne Reden ein grosses Gewicht: Er bestürmetselten die feurige Lcydenschaften mit wiederhohl-ten Anläufen; aber er weiß das Geheimnis diezärtlichen Gemüthöbewegungen gut zu unkerhal-tcn.
2 4 I»