IO4 Fünftes Sendschreiben
müssen den Deutschen niemals unbekannt wer.den.
Wir kommen auf eine wichtige Gattung vonGedichten, auf die Ode, und ihre verschiedeneAussichten. Hier müssen wir erstlich bey denOden des de la Morre stille stehen. Sie sindmit einer Gründlichkeit der Gedanken und miteinem Feuer angefüllt, das einen empfindlichenLeser niemals ohw' Assect laßt. Man hat sieeiner Trockenheit beschuldigt; aber man hat ohneZweifel die Trockenheit mit dem Feurigen oftverwechselt. Seine Erfindung der prosaischenOden ist etwas, das der Liebe durch neue Wc-ge berühmt zu werden, vollkommen ähnlich sieht,und das freylich zu seinem Ruhme sehr ent-behrlich war. Rousseau, der französische Gün.ther, wird allemal durch zwey Dinge mcrkwür.dig bleiben, daß er ein grosser Poet und sehrunglücklich war *). Seine Oden sind unterseinen Gedichten vorzüglich schön, und man wirdihnen stets die Gerechtigkeit wiederfahrcn lassen,die sie ohnabhängig von allen Vorurthcilcn, von
allem !
*) Es ist ohnlangst ein Gedicht heranSgckommen,es ü-Mk/'c,', darinn diese beyden Poe-ten miteinander verglichen werden, die wirtlichin vielen Aeanlichkeiten Übereinkommen. Manvermuthct, das; der Hr. von Laar der geschickteVersauet dieses Gedichtes sey.