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hatte, und hätte er dem geistlichen Stande entsagt, so würde erwahrscheinlich gleiche Macht erhalten haben. Der eigentlicheMinister war, nach dem Berichte eines französischen Botschafters,Anna Boleyn.
§. 56 .
Als Clemens VII. und Kaiser Karl V. sich versöhnt undzu Bologna eine Zusammenkunft gehabt hatten, schickte HeinrichGesandte dahin, unter andern den Thomas Cranmer, ein imDienste der Familie Boleyn stehender Geistlicher, der späterhinErzbischof von Canterbury wurde? Dem Papste wurdeein großes Geschenk geboten, um die Scheidung zu bewirken,und zugleich wurde er vor der arglistigen Freundschaft des Kaisersgewarnt. Dieß sollte der letzte Versuch seyn, und Heinrich er-klärte, wenn der Papst nicht einwillige, so wolle er einen Bischofals Patriarchen in England, statt des Papstes, aufstellen.
Als die Gesandten, unter denen Annen's Vater war, demKaiser vorgcstellt wurden, konnte er seine Empfindungen beidem Anblick des Vaters der Anna Boleyn nicht verbergen.„Halt Sir," sagte der Kaiser, „laßt Eure Kollegenreden, Ihr seyd in dieser Sache Partei." — DieGesandten boten ihm, dem Kaiser, dreihunderttausend Kronenund Rückzahlung des Heirathsgutes, allein Karl sagte: „ersey kein Krämer, und werdedieEhre seinerTantenicht verkaufen. D'ie Sache sey setzt vordemRich-ter, vor dem sie gehöre. Entscheide der Papst gegenKatharinen, so wolle er sich damit beruhigen;entscheide er für sie, so werde ersie ausalleWeiseunterstützen." — Vergebens suchte der König die Billigungder Scheidung bei den Universitäten nach, selbst Luther erklärtesich dagegen. Schon wollte Heinrich seinen Plan aufgeben, saselbst Anna wurde bestürzt, als Cromwells Verschlagenheitzu Hülfe kam.
Cromwell war der Sohn eines Walkmüllers, diente alsReuter in Italien, und studierte nachher die Rechte. Er erklärte,er wolle die Sache biegen oder brechen. Er rieth dem König,das römische Joch abzuwerfen, und er möge sich mit Zustimmung