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gelassenheit und Unsittlichkeit vorwerfen konnte. Statt des frü-her» stattlichen Gefolges hatte er fetzt nur einige wenige frommeund tugendhafte Männer aus dem geistlichen Stande um sich,und seine Zeit widmete er fetzt seinen bischöflichen Geschäften,den Wissenschaften und dem Gebete.
Einige Zeit lang erhielt er sich noch in der königlichen Gunst;allein cö erwachte gegen ihn der Neid, man machte den Königargwöhnisch, und bald haßte Heinrich seinen Günstling eben sosehr, als er ihn früherhin geliebt hatte. Es entstand nämlichzwischen Beiden ein Streit über geistliche Gerichtsbarkeit. Diegeistlichen Gerichte hatten damals entschiedene Vorzüge vor denweltlichen, denn der geistliche Stand hatte in fencn Zeiten imDurchschnitt mehr Kenntnisse und reifere Erfahrung, als die welt-lichen Richter, auch genossen fcne durch die Frömmigkeit ihresWandels mehr Zutrauen. Schon Kaiser Constantin ernannte dieBischöfe zu allgemeinen Schiedsrichtern in ihren Sprengel», wel-cher Gebrauch auch ins Mittelalter übergingt Daß dadurchReibungen mit der weltlichen Gerichtsbarkeit entstanden, konntenicht ausbleiben, besonders wenn die Geistlichkeit weiter ging,als sic befugt war, oder als man glaubte, daß sie befugt sehnkönne. Der König wurde in dieser Streitsache so erbittert, daßdem Erzbischof nichts übrig blieb, als — nach Frankreich zu ent-fliehen. Er legte dort sein Erzbisthum in die Hände des PapstesAlexander III., der sich damals gerade in Frankreich anfhielt.Dieser nahm aber die Entsagung nicht an. Der König verbanntenun Beckcts Verwandte und Anhänger, die er sogar zwang, zudem unglücklichen Erzbischof zu fliehen, um Zeuge seines Unglückszu seyn, und es mit ihm zu theilen. Es waren ihrer bei vier-hundert, die auf seine Fürbitte von dem französischen König, vonder Königin von Sicilien und von dem Papste unterstützt wurden.Als der englische König aber die Cistercicnscr zu Pontignh,wo Becket eine Freistätte fand, bedrohte, er würde diesen Ordenin seinen Ländern aufheben, sobald sie den ehemaligen Erzbischofnoch länger beherbergen würden, so bot König Ludwig dem Hei-mathlosen sogleich die Stadt SenS zum Wohnort an.
Von nun an betrachtete der Erzbischof seine Angelegenheit