bleiben sollen: es fehlte an Schlauheit und Großmüthigkcit. Sie ver-bannten unbekannte Vorsteher des Collegiums, weil sie sich weigerten,die Communion mit ungesäuertem Brode zu errheilen. So verlorGenf Saunier, Mathurin Condier, und andere Verbannte, welcheüber Unverträglichkeit klagten. Calvin hatte sich unter den französi-schen Verbannten, welche aus Paris, Meaux und insbesondere ausLyon vertrieben worden waren, eifrige Anhänger zu verschaffen gewußt.
Mit großer Sorgfalt suchte er die Prädcianten zu schildern, dieihm in der Verkündung der Lehre nachgefolgt waren: den Fran-
ciscaner, der sich in den Armen eines Weibes zum Evangelium bekehrthatte, einen wollüstigen Mönch, strotzend von Aussatz und Aberglauben; —den Possenreißer, welcher die Heiligkeit der Sitten zu seinem Spielmachte, wie man eine Comödie spielt; — und den Hurenwirth undMiethherrn verrufener Orte; — drei Eindringlinge, welche sich wi,derrechtlich das Amt angeeignet hatten, das sie öffentlich schändeten.Wenn diese Porträte ähnlich sind, war die Genfer Kirche sehr strafbar,daß sie solchen Geschöpfen das Predigen nicht verbot, welche denStaupbesen und den Schandpfahl verdient hätten. Wenn aber Calvinein Verläumder ist, so machte er sich einer Niederträchtigkeit schuldig,die ihm ewig zur Schande gereichen müßte. Der Beweis aber, daßer log, sagt man, liegt darin, daß er Bullinger bat, er möchte jadie Geheimmße, die er nur ihm als seinem Freunde mittheile, vorallen Augen verbergen. Wir wissen nicht, ob Bullinger schwieg; mandarf aber annehmen, daß das Geschrei Calvins seinen Anhängern Muthmachte, so daß sie kein Maß mehr hielten und die Sitten, den Glauben unddas Wissen der Prädicanten verschrieen. Die Kalvinisten nannten siePäpstler, Eindringlinge und Unwissende. Auf den Vorwurf des Papis-mus antworteten sie dadurch, daß sie auf ihre Weiber zeigten; auf denVorwurf der Aufdringlichkeit dadurch, daß sie verlangten, man solleihnen die Sendbriefe zeigen, durch welche der Schreiberssohn vonNoyon seine Berufung beweisen könne; dem Vorwurf der Unfähigkeitbegegneten sie dadurch, daß sie die Namen jener Prediger anführten,welche Bern nach dem Siege von Lutry in den Weinschenkcn aufge-sucht hatte, um ihnen die Hände aufzulegen. Der Kampf wurde immer
1) Vergleiche Kapitel XVIIl.
2) Odteslamur vos, lrnlres, cavenlis ne lwjeis epislolae publicslio noliissit frsucii. ksmilisrins enim in siinim veslrum quiclvis eleponiinu!;qusm ;>romiseue simus nnriaturi. Veslrne itr>c>us fiele! kniec secretocummwga meiuinerilis. Man vergleiche de» Brief unter den urkundlichenBelegen.