Ausdruck. Wie könnte es auch anders sein? Betrachtet diese Bücher,welche sie für die Kindheit bestimmt hatte, und in welche sie Alles aus-gegossen hat, was sie an Erleuchtung besitzt; nicht Eines enthält diegleiche Lehre mit dem andern. Sie hat auf den Titel gesetzt: „Zum
Gebrauche der protestantischen Kirchen." Welcher Kirchen? Jener Frank-reichs, der Schweiz, Schlesiens, Dänemarks, Schwedens oder Eng-lands? Sie hat Recht, dass sic an die Spitze dieser Katechismen denSatz stellt: „Zum Gebrauche der protestantischen Kirchen." Ihr eig-nes Urtheil heißt: sie habe keine Kirche, sondern Kirchen; ein prote-stantischer Schriftsteller hat diesen Ausspruch gethan.
Wir besuchten vor Kurzem zu Stantzadt in der Schweiz die Kirche,welche dem heiligen Nikolaus von der Flue geweiht ist, und trafeneinen Kapuziner mit weißen Haaren, welcher vor den Bauern die Chri-stenlehre hielt.
„Welches sind die Lieblinge Gottes," fragte der Mönch ein klei-nes Mädchen?
„Diejenigen," antwortete das Kind ohne Bedenken, „welche ihrenKatechismus gut kennen."
Der Pater lächelte.
„Sie hat Recht," sagte am Abende der Pater Athanasius zu mir:„Ist nicht alles heilige Oel des göttlichen Wortes in diesem kleinenBuche ausgegossen? Es sind Wohl auch manche Tropfen davon indie Büchlein gefallen, welche die Protestanten ihren Kindern in dieHände geben, sie sind aber mitRegcn undSchneewasser vermischt worden."
„Ihr redet von ihrem Katechismus?" fragte ich ihn.
„Oder von den Büchlein, denen sic diesen Namen geben," sagtemir der Mönch; „denn wie es nur Einen Gott gibt, so kann es auchnur einen Katechismus geben. Wollt ihr, daß ich euch Sammlungennenne, in welchen die Glaubenslehre wechselt, wie die Temperatur aufdiesen Bergen, mit jedem Tausend Schritte die ihr steigt? Der Kate-chismus von Genf gleicht nicht jenem von Neufchatel; der Katechismusvon Neufchatel nicht jenem von Zürch. Habet keine Scheu vormeiner Kaputze, in welche Luther alle Todsünden bannte; ohneauch nur diejenige zu verschonen, welche unser heiliger Befreiertrug, der Einsiedler Nicolaus von der Flue? Setzen wir uns nie-der im Angesichte dieses schönen See's von Lungern, dessen öde Gestadedurch Mönche fruchtbar gemacht wurden; ich will meine Kaputze und
1) Wank, G. I. Ueber die gegenwärtige Lage der katholischen und protestantischenPartei, 1816,