307
diesen einen Cainszorn. *) Calvin gestand sich diesen Fehler zu, undentschuldigte sich, indem er au den Kopf griff, als wenn der Sitz derKrankheit im Gehirne gewesen wäre: „Ich bekenne," sagt er zu Bu-cer, „von alle» meinen Fehlern ist keiner schwerer zu bekämpfen, alsmeine Ungeduld, ich streite nicht völlig vergeblich und habe doch dies; wildeThier, (so nennt er den Zorn) noch nicht ganz bezähmen können." ^)Bossius fügt hinzu: „Das ist ein bescheidenes Gcständnist, wenn derStreit, wie Calvin sagt, unaufhörlich und das wilde Thier besiegtwar; aber das Nebel beharrtc, und Bucer, den seine immerwährendenRückfälle in die alte Sünde traurig machten, schrieb an seinen Freund:„Du urtheilst nach deinem Hasse oder nach deiner Liebe, und hassest oderliebst ohne Grund."
Wir werden ihn in Genf in seinem politischen Leben mit densel-ben Meinungen, die er in Straszburg in seinem christlichen Leben zeigte,wicderfinden: Bucer wird ihm nicht geholfen haben. Was Calvinauch sagen mag, die Krankheit liegt nicht im Gehirne, denn einigeTropfen kaltes Wasser hätten sic vertrieben; sondern im Blute und imHerzen, welches sic in Brand versetzt hat, und da gibt cs keinHeilmittel. —
Einige Geschichtschreiber wußten Gründe zu finden, diesen Hangzu loben oder zu entschuldigen, über welchen Calvin selbst zu crrvthcn scheint.Bretschneidcr sucht in dem zornigen Elemente den Sitz alles Großen,was das Leben des Genfers auszeichnet, der vielleicht Cardinal ge-worden wäre, mit kälterem Blute; aber nie ein Reformator. "')Beza, der die heftigen Aufwallungen seines Freundes zugcstcht, behaup-tet, „Gottes Geist habe ihn gelehrt, seinen Zorn so zu meistern, daßihm nie ein Wort entschlüpfte, das eines guten Mannes unwürdig ge-
1) lineenis non leere poteent velicmentiam (mlvini gnein ogtiine noentex (>»<> .drgentoenti nnn vixeennt, et nx-Ii»!> nosso dxlieit ex q»» t'.ene-Vlttn revoentns. ^e.ensnee chitne efns, fgn» fnee, nielins ine senis),>nnleilicenti»n> innxinnir», et gund itissentientes »v» leeret, seil dneeinte» uigmrogne geesegnkretne, sie »t eliain leateiextnin, nti te^o, »nn-eigmret. —
2) tliilvinns »io ,i inngno vieo inercgntns res>»nixleee live gnetn: Inner essegenii >>»tins sui gn.nm judieii, et nt Olvi'ni igsins v<-el».n <nel Itneernineetine.nm, sie seeilx-ee: nt veenin lnle.ne nnlt.n midi enin nnixiinis et>>>nei,nis weis vitiis «lillieilioe estlnet.n, <>>nnm e»m ist» iin>n>Iieitti->:negne eerte grnlicio nilxl, seil ixnxlni» i<I sinn eonseentns, »t >>Nnx»I»ellin>n> domueeiin. Ich». Vossii tieotin. I'>>. I'initest. tl>e»l. g. bÜ7.—
3) „Jener Jndlffcrennsmnj späterer Zelt war nlä't der Eharacter der Reformatoren,mit lhm wären tfatoin und Luther vlellelclit t!ardlnäle. aber gewiß telne Refor-matoren geworden." Bretswneider. S. t!> n. 2N.
20 ^