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Calvin ist in Straßburg wie in Genf in beständiger Empörung gegensich selbst.
Einer der Städtcmeister von Straßburg siel bald in llngnade beiCalvin. Niemand hätte sagen können, welchem Glaubensbekenntnisseer angehöre. Nur das war gewiß, daß er den Glauben seiner Väterverläugnet hatte. Am Morgen saß er am Tische eines Wiedertäufers,am Abende aß er mit einem Zwinglianer; er war allem Disputircn ab-geneigt, wohnte der Predigt Bucer's und jener Calvin's ohne Samm-lung bei, und war eben so wenig aufmerkjam, wenn er das göttlicheWort, als wenn er von weltlichen Dingen hörte. Calvin hätte sichmit ihm in eine Unterredung einlassen mögen; er spannte seine Netzeum diese kranke Seele, welche denselben immer mit Glück auszuweichenwußte. Endlich wurde der Theologe ungeduldig, bestieg die Kanzelund legte glühende Kohlen auf das Haupt des Schuldigen. Dieserkonnte nicht im Zweifel bleiben. Calvin selbst versichert, er habe Allesangewcudet, daß der Städtemeistcr sich selbst erkennen und von denZuhörern erkannt werden sollte!^) Nicht über die Indignation des Pre-digers muß man sich hier wundern, sondern über die Ohnmacht derBehörde, die den Redner mit einem Worte zum Schweigen bringenkonnte und stillschwicg. — Glaubt ihr, Calvin habe sich durch dieß Beispielchristlicher Mäßigung bewegen lassen? Ihr müßtet ihn nicht kennen!Einige Tage darauf verließ der Stävtemeister Straßburg, um nachFrankfurt zu gehen, wo er Calvin wieder antraf, der ihn mit seinemZorne verfolgt, und bei Buccr als einen Feind Christi verklagt, mitdem man weder Ruhe noch Frieden haben könne.
Bucer ließ den Nathshcrrn gehen, ohne ihn zu beunruhigen. Ermachte cs nicht wie Calvin. Seine heftige Natur war leicht zu reizenund leicht zu besänftigen. Wehe dem, der seine Galle aufregtc, wieEck in Ncgensburg! Er mußte sich auf alle mögliche bissige, oft auch poetischeKränkungen gefaßt machen; der Redner bediente sich des Marktgeredes,der Sprache der Griechen und Römer, oder des bildreichen Ausdrucksder alten Propheten, um sich zu rächen. Wenn er aber von der Kan-zel hcrabstieg, trat er vor seinen Gegner, lächelte ihm zu, und drückteihm sogar oft die Hand. Er wußte nichts von dem Zorne, der sichnicht äußerlich zeigte, ohne sichtbare Flamme brannte, weder die Sprache;noch die Gestalt, oder die Gcberde des Redners veränderte. Er nannte
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