Dame, Namens des Bergers einznräumen, welche ein ganzes Haus mitbrachte: eine Frau, Kinder und einen Diener. Castalion verließ ihn,nachdem er seine Kammer und sein Kostgeld bezahlt hatte. Dann kamder Diener der Dame und wurde krank. Man rief Castilion zurück,der ein Landsmann des Dieners war, und der gelehrte Hebraist ließ sichdazu gebrauchen, ihm den Gerstentrank und die Arznei zu reichen, undbei ihm zu wachen wie eine zärtliche Mutter. Werdet ihr wohl glau-ben, daß es Calvin möglich war, in einem Dispute, dessen wir unswieder erinnern werden, dem Castalion die Nahrung vorzuwersen, dieer ihm einige Tage lang uncntgeldlich reichte-? ' )
Straßburg gab Calvin Wohnung und Nahrung. Cs war eineZeit, in welcher ihn die Armuth mit all ihren Beängstigungen heim-suchte: dieß war der Fall nach seiner Abreise von Genf, als sein Loosnoch nicht bestimmt war. Sein Elend war so groß, daß er sich ge-nöthigt sah, seine Bücher zu verkaufen. Seine Werke trugen damalssehr wenig ein: der ganze Erwerb gehörte dem Buchhändler. DieVorlesungen, welche er den Söhnen angesehener Familien in der Stadtgab, reichten gerade hin, seinen Briefwechsel zu bezahlen, der im Mit-telalter so kostspielig war, da man genöthigt war, sich der Boten zuFuß oder zu Pferd zu bedienen.
Eines Tages kamen Waldenser - Brüder, welche ihn aufsuchten,um ihm ihr Glaubensbekenntniß vorzulegen, das er wie Bucer nichtzu verwerfen schien, weil sie vielleicht einige den rcsormirten Lehrenentgegengesetzten Artikel weggelassen hatten. Sie waren so arm,
1) Bayle. Art. Castalion.
2) »'nillenses cum nlltruc esscm .Vrgenlornti misissc conkessionem quaeoptimo nillmu «t milri t»nc zirollntn füll; sellmiki Posten oslensum lliisseexemplnr cpmllllnm in guo nonnnllir midi llisplieeill gusu »ollem »ll-mittere. liullin^ern, (all. llunii, 1547. Alss. (7.
„Anfänglich nannte man die Waldenser: „Lyonnistcn," weil ihr Ober-haupt oder Meister ein reicher Kaufmann ans Lyon war, oder auch „Insnlllis-tnli", weil sie weder eine» Sonntag noch Festtag feierten." Oespin, Lsprllllo I' Lglise, 3l>7.
„Nach Reinerius, welcher beinahe zu gleicher Zeit mit Baldo lebte, kannman ihre Lehren zusammenstcllcn," fährt Crespin fort. „Sie lehrten, manmüsse an die heilige Schrift glauben, in so fern sic das Heil betreffe, ohne dieMenschen zu hindern; cs gebe nur einen einzigen Mittler, folglich dürfe mandie Heiligen nicht anrufen; es gebe kein Fcgfcncr, sondern cS gehen allc^Men-schen, non Christus gerechtfertigt, znm ewigen Leben ei»; cs gebe nur zwei Lacra-mente, die Taufe und die Comnrunion; die Messen seien verwerflich; diemensch-lichen Ncberlicfernngen solle man nicht achten; der Gesang und oic Kirchen-gebcte, die Fasten an gewissen Tagen nnd Fasten seien überflüssig; der römischeStuhl sei das wahre Babnlon und der Papst eine Quelle aller Nebel; die Pric-sterehe sei gut nnd in der Kirche nothwendig."
Dieses Glanbensbclenntniß enthält die ganze lniherische Symbolik, .