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seiner Wohnung besuchten, um ihn noch einmal zu hören und ihm dieStunden der Verbannung durch alle mögliche Freundschaft und Zuvor-kommenheit zu versüßen. Es war eine Wohlthat für den Theologen,sich mit diesen Schülern in der französischen Sprache zu unterhalten,die er so zärtlich liebte und die er in seiner „christlichen Unterweisung"so sehr verherrlicht hatte. Er versuchte cs, die deutsche Sprache zulernen, er warf seine Grammatik aber bald hinweg; diese Sprachekonnte mit all ihren Bilvern einen philosophischen Geist, wie den sei-nen nicht ansprechen, welcher sich mit dem Gedanken begnügte und niean die Form dachte. In Worms, wo Luther unter dem Gesänge„Eine feste Burg ist unser Gott,"
cingezogen war, wollte auch Johann von Noyon singen. Es war imAnfänge des Jahres 1541, daß er lateinische Verse sang, in denen ervom Papste sagte:
„Digiti signo sß-rtiorum ooneutit vibem,
^ee minus est llockie, cjusm kuit nnts kerox."
Ein erbärmliches Distichon, unwürdig eines Schülers der viertenblasse. Calvin war kein Dichter, man muß gestehen, daß nie ein Re,formator ein weniger musikalisches Ohr hatte.
Die Freundschaften Calvins und seiner Schüler währten nichtlange, sei es, daß der Anblick der eingewurzelten Leiden des Professorsdie jungen Gemüthcr belästigte, die den Anblick der physischen Schmer-zen nur mit Pein ertrugen, da sie selbst voll Leben und Freude wa-ren; oder daß sich der grämliche Lehrer nicht an das Geräusch all dergeschwätzigen, freien und luftigen Naturen gewöhnen konnte. DieBande der Liebe, welche den Professor und seine Schüler vereinigten,zerrissen aber sehr schnell, und all die Vögel, denen Calvin die Flügelstutzen wollte, flogen ans und kehrten nicht mehr zurück. Eines Tagesließ sich einer dieser goltbcschwingten Vögel, der sein Nest unter denLotos Griechenlands, unter die Palmen Judas und die BuchenItaliens gebaut hatte, der in hebräischer, griechischer und lateinischerSprache sang, in Straßburg nieder. Er war in der gelehrten Weltunter dem Namen Castalion bekannt. Im Anfänge öffnete Calvin seinFenster, und er hörte einige Zeit hindurch nichts, als angenehme Con-certe, poetische Harmonicen, ätherische Gesänge. Zuletzt jagte Calvinseinen Gesellschafter fort, um die kleine Kammer, die er einnahm, einer
1) Er hatte nickt wie Luther, den ritterlicken und so anck nickt den musikalisckenund poctiscken Sinn und Geist. Paul Henrn, P. I., S. 378.