Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
299
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XXIV. Kapitel.

Inneres Leben Calvins in Strasiburg.

Literarische Verbindungen Calvins in Straßburg. Castalicu. Die Waldenser.Dürftigkeit des Reformators. Farel will seinem Freunde zu Hilfe kommen.Calvin weist das Anerbieten zurück. Die Bucbhändlcr Vcndclin und Michel.Die Schriften Calvins sindcn in Deutschland wenig Beifall und warum? Cha-racter des Reformators. Cr klagt von der Kanzel herab das Benehmen einerMagistratsperson an. Er beklagt sich über Bucer. Gegcnthcilige Be-schuldigungen des Dominikaners. Geständnisse Calvins.

So herzlich Calvin in Straszburg ausgenommen worden war, lebteer dort doch ohne Ruhm. Bucer beunruhigte den Flüchtling. DieReden des Dominikaners zogen die Menge an sich: die Reden Calvinsin der französischen Kirche waren nur von einigen Auserwählten besucht.Calvin war kein Redner: seine Bewegungen waren unedel, seine Stimmewar schleppend, seine Redeweise ohne Rührung. Er stellte auf derKanzel Untersuchungen an. In Frankfurt, Worms und Rcgcnsburgzogen Bucer und Eck die Blicke und den Ruhm auf sich; Calvin warmit all seiner exegetischen Gelehrsamkeit in der Menge unbemerkt ge-blieben. Auf den Reichstagssitzungen verlangte man einen Tribunen,der bewegte, bezauberte und die Zuhörer in Aufregung versetzte. Erhatte sich durch Melanchthon irreführen lassen, welcher sich das Ansehengab, als billige er seine Ansicht vom Abendmahle. Als Calvin nachStraßburg kam, war er erzürnt über den pedantischen Ernst einigerReformatoren, die ihrem Rufe nicht entsprachen; er war eifersüchtig aufdas süße Lächeln, welches der Kaiser einigen Deputaten zollte, derengeistige Armuth einem so hellsehenden Blicke nicht lange ein Geheim-niß blieb; er war von dem hohen Begriffe entzaubert, den er von Bucerhatte, der seine Lehre so oft änderte, und wünschte ohne Zweifel wie-der in Genf zu sein, wo er keine Meister und keine Nebenbuhler hatte.

2» eine große Stadt hineingeworfen, in der für ihn Alles neuwar, die Sitte wie die Sprache, schloß er anfänglich einige jugend-liche Gemüther an sich, welche den Professor nach den Vorlesungen in