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Schriftsteller, Matthias Flacius Jllyricus, welcher zuerst die Regeln derExegese aufstcllte in dem Buche, welches den Titel führt: „(llaviz8criptuiS6 saerse."
Nach Luther glänzte Melanchthon in der biblischen Hermeneutik. SeinCommentar über den Brief des heiligen Paulus an die Römer er-freute das Herz Luther's, welcher die Arbeit seines Schülers höherschätzte, als Alles, was Sanct Hieronymus geschrieben habe. Nennet dies;keine Uebertreibung, denn ihr wißt, daß Luther nichts auf den heiligen Hiero-nymus hielt, den er zu verdammen beliebte, um den Erasmus zu er-zürnen, welcher den heiligen Hieronymus dem Chrysostomus an dieSeite stellte. Erasmus hatte Recht.
Es ist nicht zu bestreiten, daß Melanchthon ein großes Genie ist,und daß er die heilige Schrift als Theologe und Weltmann erforschthat. An der Universität zu Wittenberg enthüllte er alle Schönheitenderselben mit der wahren Liebe eines Künstlers und Christen. Wirwerden aber nie mit einigen protestantischen Schriftstellern zusammen-stimmen, an deren Spitze sich Villers stellte, welcher behauptete, dieExegese sei eine Frucht von dem Baume der Reformation; denn eheLuther auftrat, hatte Cajctau, ein Cardinal Leo's X. die Psalmen miteiner wahren Meisterschaft der heiligen Wissenschaft commentirt. Die-ses schöne Zeugniß gibt ihm Erasmus.
Der Katholicismus hat das Recht, allen Ruhm für sich in An-spruch zu nehmen. Unsere Kirchenväter sind der Reihe nach Dichter,Redner und Exegeten. Origencs, Chrysostomus, Thcodoret, Tiodor,Tertullian und der heilige Hieronymus insbesondre, waren bewun-derungswürdige Hcrmeneutiker. Sie hatten sich aus der heiligen Ar-chäologie, den Sitten, Gesetzen und Sprachen des kirchlichen und heid-nischen Alterthums ein gelehrtes Lttwium geschaffen. Man kann abernicht läugnen, daß die Protestanten die orientalischen Sprachen oft mitVorthcil auf die Erklärung und Auslegung der Schrift angewandthaben. Bei ihnen umfaßt die Exegese die Wissenschaft, die Politikder Verwaltung, die Sitten der Völker, die Geographie, die Text-kritik. Das Feld sollte zuerst von den Katholiken geöffnet werden, dieProtestanten sollten cs erweitern. Tic Wissenschaft war vorhanden,von der katholischen Schule geschaffen; die Reformation gab dieserWissenschaft den »Namen „Exegese" und um dieselbe zu verbreiten, er-richtete sie besondere Lehrstühle, welche bisweilen durch Männer von
1) I.eonliÄici Lertüolcli in o<>. I)r. Lugelbsrät.
2) Loinmenwrii kbilippi -lelanclilkonis in opislolam ksuÜ sci Idoinanos.
»'ittewbergse, lö24.