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Seele anzueignen, wenn sich die Seele auf den Flügeln des Glaubenszu Christus erhoben hat, der in den Himmeln thront. Wir glaubenaber vor der Kommunion an einen Christus, der Lcibesgestalt ange-nommen hat, oder an einen Christus der nicht in die Sinne fallenkann; wenn wir glauben, daß Christus am Kreuze gestorben und auf-erstanden sei und zur Rechten Gottes seines Vaters sitze, was wirkt dannder Glaube in der Communion, was er nicht erfüllt hat vor dem Em-pfange? So schwankt das phylosophische System Calvins zwischen Reali-tät und Symbolismus, zwischen Geist und Materie. Calvin machtden Einwurf: Fleisch müße Fleisch, Geist -nutze Geist sein: seine Defini-tion ist irrig, weil sie entweder den Realismus oder den Symbolismusausschließt, oder vielmehr das Ideale mit dem Absoluten vermengt;und ungeachtet all seines Scharfsinns konnte der Reformator seinekünstlichen Widersprüche nicht vereinbaren.
Man sicht, daß Calvin in seiner Symbolik mit der Schule Zwing-li's gebrochen hat, so sehr er ihn auch zu schonen suchte; denn ernimmt eine reelle Gegenwart und eine Aenderung der Ordnung derNatur an, wie die katholische Schule; sein Wunder übersteigt dasWunder unserer Kirche, wie Pelisson bemerkt. Jeder Genuß imAbendmahl setzt eine Substanz voraus, jede Substanz eine Stätte inder sie ruht; er wirkt also ein größeres Wunder als der katholischePriester: der Idealismus, welchen der Glaube bis zum körperlichen Zu-stande erhebt. Um seinen Gedanken verständlich zu machen, nimmt erseine Zuflucht vergebens zum bildlichen Vergleich mit der Sonne, welcheunsere Blicke mit ihrem Lichte trifft; denn dieses Licht ist auch eineRealität: die Sonne wirkt durch die Ausgießung ihrer Strahlen, undCalvin verwirft die Ausgießung oder den Eindruck der Substanz.Claude hatte vom Gesichtspunkte eines Reformators aus Recht, wenner behauptete, die calvinische Lehre könne sich eben so wenig halten,als die katholische Transsubstantiation.
Calvin war bei seiner Auslegung der Worte des Abendmahls voneiner politischen Absicht geleitet. Er hoffte die Zwinglianer und Luther-aner in einem und demselben Glauben zu vereinen, wenn sie anerkanntwürde. Diese Absicht entkam den beiden Parteien nicht, welche sie alseinen Verfall mißbilligten, weil der Geist auf Kosten der Materie
1) Die Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Sakrament. Allg. deutscheReal- Encycloyädie.
2) kolisson, lraite cko I'Luckmristie, in 12. 169l.
3) kelizson, p. 93.