Einige appellirten von diesem im Wirthshause zu Wittenberg aus-gesprochenen Urtheil, beriefen Luther und seinen von Händen gebackenenGott vor ihr Gericht, und verdammten Ihn zum ewigen Feuer. Da-mals übernahm die Reform den Dienst des Katholicismus, der Sacra-mentirer Rescius umgürtete sich mit dem Dominicaner-Kordon und sagtezu Luther: „Gott hat sich von dir zurückgezogen und dich dem Geiste ,der Finsternisse überlassen." 0 Der arme Prierias, jener glühendeGegner des sächsischen Mönchs, konnte cs nicht mehr erleben, daß dieKrone, welche seinem Feinde von dessen Schülern aufgesetzt wurde, ihmvon der Stirne gerissen wurde; diese Freude war aber dem DoctorEck Vorbehalten, welcher lange genug lebte, um zu sehen, wie der En-gel von Eisleben in einen Geist des Abgrunds verwandelt wurde.
Drei Jahrhunderte später müssen wir staunen über den Eindruck,welchen die Erscheinung einer neuen Ketzerei in dem theologischen Be-reich auf die christliche Gesellschaft des sechszehnten Jahrhunderts machte;wir müssen lächeln, wenn man uns sagt, daß eine unverschämte oderthörichte Exegese mit dem Beifalle oder Gelächter eines ganzen Volkesvon Jrrlehrern begrüßt wurde, weil sie die Unfehlbarkeit unserer Kirchein Zweifel zog. Wir können den Schrecken einfältiger Gemüther nichtbegreifen, welchen diese bei der Erscheinung eines oft ganz albernenKommentars vor einer Dogmatik hatten, der sie vertrauten ohne sie zuprüfen. Damals beherrschte die Theologie alle Mächte, wie die Sonnedie Planeten. Für alle gab es nur Einen Brennpunkt der Wahrheit:die Tradition. Wie musste sich der arme Vorstand einer Gemeinde ver-letzt fühlen, wenn man ihm in die Ohren raunte, das Licht, welchesdas Grab und die Wiege seines Vaters beleuchtet habe, sei ein Irr-licht gewesen; die Worte, welche über das Haupt des neugebornenKindes gesprochen wurden; das Manna der Wüste, mit dem sich derErwachsene am Tische des Herrn nährte; der Friede, den der Priesterdem Beichtkinde gab; das Gebet, welches in der Kirche für die Ruheder Todten gesungen wurde; das heilige Oel, mit dem eine priester-liche Hand die Glieder des Sterbenden salbte, dieses Alles sei einearge Verblendung, ein lügenhafter, nutzloser, kraftloser Gebrauch seieine Gaukelei gewesen, die eine Zeit der Verfinsterung ersonnen habe!Alles wurde ihm ausgestossen und verworfen, was er verehrt hatte:die Erleuchtung seiner Kirchenlehrer, die Glorie seiner Märtyrer, dieStrahlenkrone seiner Heiligen, das Diadem seiner Päpste, die welt-
2) Schlüffetbnrg: Oontra Hessium cke eoen» Domini.