Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
268
Einzelbild herunterladen
 

Zänker, der Alles befleckt was er anrührt. . . Wenn wir nur Einigeserwirken mit solchen Menschen, wird meine Erwartung übertroffcn."

Calvin wendet hier das gewöhnliche Mittel seines Meisters an:er verläumdet. Eck war ein Heller Geist, der die Gedanken seiner Geg-ner errieth. Diese Durchschauung war die Erfahrung einer langenPrüfung des menschlichen Herzens. Er hatte nicht den sprühenden Zorndes andern Eck, welcher so oft mit Luther disputirte; er wußte einetheologische Streitfrage nicht mit poetischem Schmucke zu zieren, odereine Beweisführung dramatisch einzuklcidcn; er besaß aber eine andereGabe: er wußte eine Frage auf bewunderungswürdige Weise aufzu-stcllen. Die Theologen von Straßburg hatten sich auf einen hitzigenStreit vorbereitet; als sie kamen, hatten sie den Kopf voll schöner Re-den, mit denen sic den Reichstag bezaubern wollten; aber das Gedächt-niß verließ sic, als Eck ihnen sagte:Die protestantische Schulehat ein Symbol, wie wir eines haben: dieses Glaubensbekenntnis; istdasselbe, welches die Reformation uns vor zehn Jahren in Augsburgübergab, an welches sic hartnäckig festhielt, das sie öffentlich ausriefund tausendfach in Deutschland verbreitete. Wir haben es bekämpft,wie wir es jetzt bekämpfen wollen, mit Ausnahme einiger Puncte, wiejener, welche sich auf das Abendmahl beziehen und die wir theilweise zuge-ben. Wenn ihr euch in einen Disput cinlaffen wollt, sind wir bereit.Das Papstthum hat euch bewiesen, wie eifrig es sich nach dem Friedensehnt, indem es euch den Cardinal Cvntarini sandte, dessen Milde euchhinreichend bekannt ist."

Eck sprach die Wahrheit: der Katholicismus wollte den Friedenselbst um den Preis großer Zugeständnisse, die nicht das Dogma, son-dern verschiedene Puncte der kirchlichen Disciplin betrafen. Contarini,der Freund Sadolets, eine der Hauptzierdcn des römischen Purpurs,gestand die Nothwendigkcit einer religiösen Reform ein; er war dasOrgan eines aufgeklärten Papstes, Pauls III., welcher nicht in die Gruftsteigen wollte, ohne vorher eine Versöhnung seiner Kinder in JesusChristus bewirkt zu haben.

Kaiser Karl V. dachte wie der Papst; Melanchthon und Bucer waren ge-neigt, ihre Sprache und ihre Ansprüche zu mäßigen. Ein protestantischer Ge-schichtschreiber hat die wohlmeinenden Gesinnungen der beiden Parteien her-vorgehoben. Wer kann uns nun den schroffen Nebergang von der Hoffnungzur Gefahr, von der Liebe zum Haffe erklären? Calvin, welcher einenspeciellen Auftrag von der Kirche hatte, die er vertrat, und der, wieer sagte, sich lieber unter den Trümmern seines Tempels in Straßburgbegraben, als sich mit Rom ausgesöhnt hätte. Es war daher nöthig,