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sitzungen erwartete, auf denen seine Stirne Stillschweigen gebotenhätte. Luther's Stellvertreter Mclanchthon, war weder beredt, nochkühn, oder in der Lehre mächtig genug, die Schüler der Refor-mation zur Einheit zu bewegen. Mclanchthon wollte keinen Kultus,wie ihn Calvin sich träumte, ohne Leben, ohne Licht, ohne Blüthcn,ohne Mannigfaltigkeit, ohne Bilder, Priester, Bischöfe und Liturgiecn.Als ihm Calvin sagte, alle Ceremonien, welche die sächsische Kirchebewahrt habe, riechen nach dem Judenthnme, wagte cs Mclanchthonnicht mehr, dem Prediger von Straßburg zu widersprechen; er stellteihm aber vor, daß man allzu viele Streiche gegen den Katholicismusgeführt habe; daß die Abschaffung all dieser äußern Formen, welchedie Gewalt hätten, auf die Einbildung zu wirken, die Klagen der Ca-nonisten auf's Neue wecken würde, und er berief sich dabei auf die Zeitund auf Luther, ') welcher wohl die reiche Liturgie der katholischenKirche nicht liebte, dem aber doch der prosaische Cnltns der reformir-ten Kirche durchaus mißfiel. Bucer, welcher den sächsischen Mönchfürchtete, vereinigte seine Stimme mit jener Melanchthons. Wenn er-such voll Haß war gegen unfern lateinischen Gesang, wenn er dieBilder, welche in unfern Tempeln ausgestellt waren, unsere mit Goldbedeckten priesterlichcn Gewänder, unfern in Edelsteine gefaßten Gottund die Glocken unserer Kirchen verwarf, so wollte er doch nicht mitLuther brechen, welcher diese Vorstellungen, Ceremonien, Kleidungen,die Gesänge in der Sprache der Römer, die äußere Pracht, mit derman sich beschäftigte, als die Reformation eine Symbolik hatte, seines Zor-nes nicht würdig hielt. Calvin verließ Frankfurt voll Verwunde-rung über die Gelehrsamkeit, Liebe und Sanftmuth Melanchthons; erbehielt aber vollkommen seine Ansicht bei über das Nutzlose oder das Ge-fährliche dieser sichtbaren Plastik, die er gänzlich hätte zernichten mögen,um die Scheide-Mauer zu erhöhen, welche der Augustinermönch zwi-schen den beiden von einander abweichenden Kulten errichtet hatte.Die Stellung der beiden Theologen war verschieden, auch ihre Mei-nungen mußten unter dieser persönlichen Ungleichheit leiden. Melanch-thon hatte alle Bahnen einer religiösen Umwälzung durchlaufen, welchemit der Lehre begann und im Blute fortschritt. Calvin war nur Zeugeeines Kampfes gewesen, bei welchem man auf beiden Seiten bloß Tinte
1) Lpist. d'ili-ello, ,4p., 1Zg>«.
2) Paul Henry, Bd. I. S. 243 u. f. Hesr, t. I, P. 367 Le. — Uiiislol-r«Lslvini.