hatten; er wollte sie aber nöthigen, die Klostergüter unv Pfarrhäuserzurückzuerstatten. Wenn Mclanchthon nur sein Gewissen zu Rathe ge-zogen hätte, würde er gerne nachgegeben haben; aber in Gegenwartder protestantischen Fürsten, welche nach dem Berichte eines alten Ge-schichtschreibers an argem Bauchweh litten, als die Rede ging, siemüßten herausgeben, was sie allzu gierig verschlungen hatten,zauderte er, bat um Bedenkzeit, gab seinen Freunden den Rath, „dieSegel im Sturme einzuziehen und zu erwarten bis Gott seine Sonneleuchten lasse, in deren Strahlen man sich bemühen könnte, die Keimeder Zwietracht zu ersticken, welche im Schooßc der Reformation erzeugtwurden und alle Geister in einem und demselben Glauben und zueinem gemeinschaftlichen Symbol zu vereinigen." — „FleischlicheSeele," sagte Capito von Mclanchthon, „die sich scheut, Gott im An-gesichte der Menschen zu bekennen; die sich vor den Fürsten dieser Weltfürchtet! Mein Gott, nimm mich doch von dieser Erde hinweg, dennich rufe den Herrn selbst zum Zeugen an, ob unsre arme Kirche nichtverloren ist, wenn sie auf diesen Wegen fortgeht, wenn alle Diejeni-gen, welche Gott der Herr zum Lichte berufen hat, sein Auge mitihrer innern Zwietracht betrüben." Das Erscheinen Calvins inStraßburg hatte zu Nichts geholfen, als daß neue Unordnungen indie evangelische Kirche gebracht wurden, denn Calvin brachte eine Dog-matik, welche nach seinem Willen die vorherrschend geltende sein sollte.Sein figürliches Zeichen, sein sinnbildliches Brvd, sein symbolischesFleisch im Abendmahle hatten dem Lutherthume viele schwankende See-len genommen, welche die misteriöse Lehre Luther's abzuschrccken begannund welche glaubten, der kürzeste Weg, zur Wahrheit zu gelangen, seider Weg der Vernunft.
Jeder Reichstag war gleichsam ein Ruheplatz der Bewegung: dieentzweiten Geister suchten eine Ruhe, die ihnen balv lästig wurde, dennAlle waren überzeugt, das Wort allein könnte den religiösen Streitig-keiten ein Ende machen. In Frankfurt wurde ein Wassenstillstand voneinigen Monaten geschlossen: so lange er währte, wollte man in denbeiden Feldlagern einen neuen König der Lehre auswählen, welcher diewiderspenstigen Geister seinem Joche unterwerfen sollte. Der Beherr-scher der Reformation war Luther, den Gott auf dem Bette der Schmer-zen zurückhielt und den Deutschland vergebens auf seinen Reichstags-
. 1) klar, cko kaemoncl.
2) Lpist. Lsrello Alsrt,, 1Z3tt.