Die Reformirten spotteten hier über den Kaiser, den Papst unddie Christenheit. Sie hatten sich durch den Mund ihres Apostels offenausgesprochen. Luther hatte an hundert Stellen seiner Briefe und Bü-cher jede Unterhandlung mit Belial verworfen. Schlaget in einem pro-testantischen Lexicon den Artikel B eli al aus: ihr werdet als Synonymefinden: der Papst. In Augsburg war cs der Reformation aber noth-wendig, daß sie den Kaiser hinterging.
Indessen nahm sie Städte, Provinzen, Reiche, gekrönte Häupterund sogar Bischöfe für sich ein; so daß sie, als sie der römische Hofbeim Wort nahm, ihren Cid brach und jedes Concilium verwarf.
In Schmalkalden nahm sich die Reformation im Jahre 1539 dieMaske ab, wechselte die Rolle und nahm ihre Zuflucht zur öffentlichenGewalt, indem sie ave ihre Anhänger zu Hilfe rief, welche auf deut-schem Boden verbreitet waren. Der Katholicismus sah ein, daß manseine Existenz bedrohe; er berief deßhalb seine Verbündeten nach Nürn-berg und rüstete sich zum Kampfe. Der Kaiser, welcher mit dem Siegeseiner Waffen beschäftigt war, konnte die schönsten Provinzen seinesReiches nicht zur Beute der religiösen Streitigkeiten werden lassen, dieden Frieden der ganzen Welt zu stören drohten. Es war in Frankenund Schwaben ohnehin schon so viel Blut vergossen worden. Er nahmzu seinem gewöhnlichen Mittel die Zuflucht; er berief einen Reichstagnach Frankfurt. Calvin erschien daselbst an der Seite Mclanchthons.
Luther fing an zu altern; Gott hatte ihn vor der Zeit mit allenKrankheiten heimgesucht, welche den Menschen am Ende eines langenLebens beschweren. Er war taub geworden; sein Kopf war, wie eruns selbst berichtet, voll von Toben und Donnern; seine Hand warvöllig gelähmt, so daß er nicht zwei Buchstaben schreiben konnte, ohnedaß Wallungen seinen Kopf erhitzten. Gleich als wenn aber diese physischenLeiden keine hinreichenden Plagen gewesen wären, kam auch noch der ZornGottes und suchte ihn, nach dem richtigen Ausdrucke eines Schriftstellers,in seinem Hause heim. Er verlor in wenigen Jahren zwei Kinder undunter diesen eine geliebte Tochter, einen Engel an Schönheit und Un-schuld. Von dieser Zeit an war seine Rolle in dieser Welt ausgespielt;
und stercorn tumul» in der Hand hält; den Geruch davon athmcn Frauenund Greise ein. Auf einem andern Bilde ist der Papst von Teufeln allerFarben und Gestalten umgeben: er fleht mit aufgehobenen Händen, sie'zerreißenaber unbarmherzig seine Krone und tragen Holz herbei, mit dem er in derHölle gebrannt werden soll, Slcidanus gibt eine Beschreibung dieser beidenCarricaturen: lib. 18, t'ol. 365. Straßbnrg 1608, Weislinger nahm sie insein Buch auf: „Friß Vogel, oder stirb!" S, 91, 97,