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„Mein Gott haßt Niemanden," sprach der Prediger. „Also dasheißt du nicht hassen," entgcgnete Gerhard, indem er ein großes GlasBier auslccrte, „wenn er ein armes Geschöpf im Voraus für ewigeStrafen bestimmt?"
„Du weißt keine Unterscheidung zu machen, erbärmlicher Thomist.Jemanden zum Tode vorausbestimmen heißt nicht ihn hassen, sondernfür den Haß vorausbestimmcnz das ist Etwas ganz Anderes."
„Das gleicht wieder deinem Franz, welcher seine Gcwaffneten aufder Straße, die von Basel nach Waldshut führt, wie wahre Wölfeauf die Lauer stellt, unsere Mönche berauben und aus Liebe zur Keusch-heit entmannen läßt. Ich sage und behaupte, daß dein Gott ein ab-scheulicher Raubritter ist, den ich weder liebe, noch je lieben werde.Seine Rathschlüssc sind schreckliche Beschlüsse."
„Mein Gott hat keine Gestalt und du willst ihm eine beim'essenund ihn nach einem Bilde richten, das dein Gehirn geschaffen hat: ichsage wie du, cs sei ein schrecklicher Rathschluß, aber man kannnicht läugnen, daß Gott in seiner Vorausschung den Fall Adams ge-kannt habe, ehe Adam geschaffen war und daß er den Fall nur vor-aus gewußt habe, weil er ihn durch seinen Rathschluß angcordnethatte." 2)
„Du magst thun, was du willst, du wirst den rothen Steinen unseresMünsters leichter die Farbe des Knoblauchs geben, als der Lehre deines Mei-sters den Anschein der Wahrheit. Deine Dogmen sind gottlos und schrcck-
1) Isxitio zrruedesliuaro uon ost odisse, scd odio desliiiaro.
2) llccrelum cjuidem Irorrildlo tülcor, iutteiaii tumou >>otsrit nemo quinsir.iesaiverit Ileus ezuem exitum ttnlulurus esset Iiomo, unteczusm ip-sum eouderet et ideo zirneseiverit quin dcerelo suo sie ordmavit.Inst. I. 3. e. 23 , n. 7.
„Man sagt, Calvin spreche eine Gotteslästerung aus, weil er sich an dieftrStelle des Wortes schrecklich bediene: man behauptet, er sage, die NathschlüsseGottes seien schrecklich, als wenn er gesagt hätte, alle überhaupt seien schreck-lich. Diese Bemerkung ist gewiß sehr boshaft, und man hat sie aus keiner an-dern Absicht vcrgebracbt, als um Calvin verhaßt zu machen, aber mit dem größtenUnrecht; denn Calvin wollte mit diesen Worten nichts Anderes sagen, als daß die-ser Rathschluß uns schrecken solle. Rivet zeigt in seiner Abhandlung: „^imloxze-ticus pro Stio verae et sinccine Paris oeelesiae proposilo contra Ilu^onisttrotii votum," Bd. III., sehr trefflich, daß man dem Ansdrucke Calvins keinenandern Sinn beilegen dürfe." .Imcillou, tUelanZcs crilicpies, p. 37.
Rivet, Ancillon und Morus, der Lcbreducr Calvin's, übersetzen ,.decretumIrorrildle": „der Rathschluß, welcher uns schrecken soll," und legen dadurch eineProbe ihrer großen Unkunde in der lateinischen Sprache oder ihrer außerordentlichenTreulosigkeit ab. Calvins verstellter Ausdruck „deeretum czuidem Irorri-l,i>o tateor." beweist hinlänglich, daß der Sinn, welchen katholische Auslegerdieser Stelle beimciscn, kein anderer ist, als derjenige, welchen Calvin selbst aus-sprechen wollte. Beauscbre, der Verfasser der Vertheidigung der protestantischenLehre von der Vorsehung, Vorhcrbcstimmung, Gnade und Eucharistie," (Magde-burg 1693) versteht die Stelle nicht anders, als die Katholiken. —