XX. Kapitel.
Lehren C alv in' s.
». Prädestination. Der freie Wille.
154S LS4«
Dcr. Sacristan von St. Petrus dem Jüngern in Straßburg. — Disputation imWirthshansc zum grünen Baum. — Die Wittkühr ist bei Gott der einzige Grundder Bcseligung oder Bcrwerfung. — Es gibt keinen Unschuldigen. — DerHerr läßt nicht zu, er bestimmt. — Der schaudererregende Rathschluß. — Gottwill nur das Heil der Auserwahltcn. — Er gebietet die Sünde. — DieThat des Schuldigen ist das Werk Gottes. — Im Menschen ist keine Frei-heit. — Die Begierlichkeit. — Darlegung des calvinistischcn Systems von der Prä-destination. — Die resormirte Kirche und die protestantische Kirche im Streite. —Das Grab des Sacristans. -—
Ms man im Jahre 1524 den Pfarrer von St. Petrus dem Jün-gern vertrieb, wurde der Sacristan der Kirche in die Ungnade miteinge-zogen. Dieser Sacristan war ein ehemaliger Chorknabe, der im Klo-ster der Dominikaner eine mönchische Erziehung genossen und die Scho-lastiker mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit studirt hatte. Sein Ge-dächtnis; war sehr glücklich. Er behielt Alles leicht, was er einmal ge-lesen hatte. Durch die Scholastiker hatte er Geschmack an Disputatio-nen gewonnen. Er ließ sich oft nach der Messe mit dem Priester, demer ministrirt hatte, in ein Gespräch über das heiligste Opfer ein. Manhörte ihn an und gab ihm Antwort, denn er war ein guter Katholik;wenn er vielleicht ein wenig geschwätzig war, so hing er doch auch mitsolcher Liebe an seiner Kirche, daß ihn alle seine Obern lieben mußten.An dem Tage, an welchem der lutherische Prediger auf Befehl desMagistrats die Schlüssel des heiligen Petrus genommen hatte, erwar-tete Gerhard Kaufmann den Eingedrungenen in der Sacrisiei, um ihmeine Disputation über den Beruf des neu Angekommcnen anzubieten.Statt aller Antwort befahl der Lutheraner, man solle Gerhard weg-