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unglücklich wäre der Zustand der Kirche," schreibt er an Farel, „wennsie nicht die Gewalt hätte, Unwürdige, als ehrlos Bekannte, welchedie Schmach an der Stirne geschrieben tragen, vom Abendmahl weg-weisen zu dürfen!"
Alle Prediger in Straßburg, Calvin allein ausgenommen, warenVeeheirathet. Erasmus machte sich lustig über diese Mntterwuth, vonder die reformirte Gemeinde geplagt war. In Sachsen definirte maneinen Prediger „als einen Menschen, dem ein Weib nothwendiger ist,als das tägliche Brod." In Straßburg war diese Krankheit schonalt. Als einige Priester die Schriften Zwingli's gelesen hatten, nah-men sie im Jahre 1525 Frauen. Der aufgebrachte Bischof wollte sievor den Richterstuhl des Officials laden, der Magistrat nahm aber dieGemeindcprivilegien in Anspruch und befahl den verheiratheten Prie-stern, die bischöfliche Gerichtsbarkeit abzulehnen. Der Bischof hatte sicnach Hagenau berufen. Während sich die beiden Gewalten stritten,veröffentlichten diese Priester die Nachrichten ihres Lebenslaufes, einförmliches, geschriebenes Bekenntnis;, in welchem sie sich häufiger Ueber-trctungcn gegen das sechste Gebot Gottes anklagtcn und sich ans eineWeise ausdrückten, über welche der Leser erröthen würde. Der Magi-strat war ihnen dankbar für diese schamlose Frechheit, er belohnte siedadurch, daß er die alten Priester verjagte und dieselben ihrer Aemterberaubte, um diese ärgerlichen Leute damit zu bekleiden. Das Cölibatwurde als ein unreiner Stand betrachtet, zu dessen Haltung eine christ-liche Seele nicht Kraft genug habe. Die bürgerliche Gewalt wurdeein Theologe; fand sie einen jungen Leviten, so verwies sie ihn aufdie Stelle des heiligen Paulus: „es ist besser Heimchen, als brennen,"und spickte dieselbe mit einigen Glossen, die sie bei Capito, Bucer,Hedio oder Joannes Sturm entlehnte. Wenn die Obrigkeit die Ueber-zeugung nicht aufzudringen vermochte, brauchte sie Gewalt und verjagte denwiderspänstigen Priester aus seiner Pfarrei. Da geschahen große Ab-fälle in Straßburg: die Kirche beweint sie.
Der katholische Priester lebte damals vom Altäre: als man ihnvon seiner Pfarrei verwies, hatte er nichts mehr, um sich zu ernähren,als die Liebe der Gläubigen, die ihm gewöhnlich nicht fehlte. Damalswar das Mitleid ein Eigenthum der Seele des Armen, welchen die Pest,
1) lUss. Oen. insü 1340.
2) l'rncckieaiis l.utlrerr>nus esl vir, »vom mngis neregsnrio mstruclns gunmpnir« gnolicki.ino. l.nurentius I'orer. Angeführt von Weislinaer: FrißVogel, oder stirb. S. 286.