die Enthaltsamkeit, die Beicht; ich habe den Glauben erhoben und dieWerke gedemüthigt, ich habe dein Blut gefordert und habe es als Brand-opfer dargebracht, um uns von unfern Sünden abzuwaschen.
„Und was wird dann der ewige Richter sagen? Wenn eine Kircheist, konnte die gläubige Seele nicht sündigen; denn sie hat von ihr dieZeichen, die Symbole und die Lehre: hätte diese Kirche aber selbst ge-irrt, was auch nur zu denken schon schrecklich wäre! wie könnte derHerr ein Wesen verdammen, das nur durch Liebe und Gehorsamfehlte?"
„Aber die Seele, die ihre Stirne hoch emporhebt und sich auf-bläst in ihrem Stolze, die keine Lehrer, keine Priester, keine Päpstezu Fürbittern hat, welche zu Gott rufen: diese Seele hat geglaubt,was wir glauben; die unglückliche, die keinen andern Schutzheiligenhat, als ihr eigenes Ich, dem sie auf eine thörichte Weise gehorchte,welches wird ihr Loos sein, wohin wird sie kommen?"
Nun noch ein Wort und dieß wird das letzte Lebewohl sein, wel-ches Sadolet der Kirche von Genf zuruft; denn er ist alt, durch Er-duldungen geschwächt, durch Arbeiten und Nachtwachen erschöpft. Nurdurch die Liebe für seine Heerde hängt er noch mit dieser Erde zusam-men; aber das Blatt, welches er hier schreibt, wird als ein unver-gängliches Denkmal des Glaubens und der Liebe des Bischofs von Car-pentras fortbestehen.
— „Meine Geliebteste, ich bitte euch, hebet die Schleier, welcheeuere Augen bedecken und das Licht verbergen. Hebet euere Blicke zumHimmel empor, kommet wieder zu cuerm alten Glauben, kehret in denSchoojz der Kirche, euerer zärtlichen Mutter zurück: daß wir von nunan Gott im Geiste der Liebe anbeten! Wenn unsere Sitten euch be-kümmert haben, wenn einige unter uns durch Fehler die unbefleckteStirne dieser Kirche getrübt haben; möge dieser Anblick euch nicht zurEmpörung anreizen. Ihr könnt uns wohl Haffen, wenn cs euch dasEvangelium gestattet: aber unsere Lehre und unfern Glauben nicht,denn es steht geschrieben: thut was sie euch sagen werden. Geliebteste,ich beschwöre euch, verwerfet meine Warnungen nicht: ihr werdet esnicht bereuen, wenn ihr auf die Stimme dessen höret, der um euerGlück so eifrig besorgt ist. Ich werde bei Gott euer Fürbitter sein;obgleich ich ein Sünder bin, wird doch meine glühende Liebe bei demHerrn Barmherzigkeit finden. Wenn ich auch nur sehr wenig vermag,so stelle ich doch Alles euch zu Diensten; Alles, was in meinen Kräf-ten steht: den Einfluß, das Ansehen und das Vertrauen, welches ich