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Am Abende durchlief das Volk die Straßen von Genf und rief:„Tod den Predigern!" 0
Die Stadt war in Bestürzung; es war nur eine Stimme, welcheverlangte, man solle an dem empörenden Uebermuthe der Redner Rachenehmen. In der katholischen Kirche sehen wir es bisweilen, daß derPriester einen großen Sünder, der ganz bedeckt ist von unschuldigemBlute, von dem Tische des Herrn wegweist, nie aber ein ganzes Volk,welches den Leib und das Blut seines Erlösers zu empfangen begehrt.Unser Bischof hat noch ein anderes Recht, welches Calvin nicht in An-spruch nehmen könnte: Der Bischof kann zur unwürdigen Seele sagen:Ziehe dich zurück und thue Buße. Aber Calvin könnte den Menschen, «welcher sündigte, nicht auf diese Weise vom Tische des Herrn abhalten,weil diesem Sünder keine äußere Zerknirschung und keine sichtbareBesserung zum Zeichen der Reue nöthig war. Calvin hörte nicht auf,zu lehren, das Werk gehe aus dem Glauben hervor, der Glaube nichtaus dem Werke: er sprach hier also eine Lüge gegen seine eigeneLehre aus.
Die Syndici versammelten das Volk und die Verbannung der auf-rührerischen Prediger wurde beinahe einstimmig beschlossen.
Das Urtheil erklärte, daß Farel und Calvin sich binnen drei Ta-gen 2 ) aus der Stadt entfernen müßten, weil sie den Befehlen derObrigkeit nicht gehorchen wollten.
„Gut," sprach Calvin, „es ist besser, Gott gehorchen als denMenschen."
Diese Rede ist alt; als sie von Luther ausgesprochen wurde, aufdem Reichstage in Worms, im Angesichte des Kaisers, der Bischöfeund Stände des Reichs, da bewegte sie uns; aber hier vor einem Se-nate von Kaufleuten, die mit der Verwaltung der Kirche und Wirths-häuser beauftragt sind, bleiben wir kalt: das Drama, der Acteur unddie Schaubühne entsprechen dem Standpunkte des Menschen.
Calvin hatte an die Spitze seiner „Unterweisung" slnstitnUo) dieWorte gestellt: „Ich bin gekommen, das Schwert zu bringen undnicht den Frieden;" er hat auch sein Wort gehalten. Das war wohlein Schwert, was Genf in den Händen der Prädicanten zerbrach; das
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