lichen Sprache von der Kanzel herab gesagt: „Ais wann mein Hän-sichen und Lenicken in den Winkel scheißt, des lachet man als sei wohlgethan, also macht auch der Glaub, daß unser Dreckt nicht stinkt fürGott."
Calvin kehrte in seine Wohnung zurück und setzte eine Protestationgegen die Beschlüsse des Rathes auf. In dieser Protestation erklärteer, daß die Prediger von nun an den Gläubigen den Zutritt zumAbendmahle verweigern würden. „Da ließ man die Prediger zusam-menkommen, um ihnen einzuschärfen, daß sie das Abendmahl am nahenOstertage mit gelbem Brote austheilcn sollten, wie es die Berner Be-schlüsse forderten." Sie gaben zur Antwort, daß sie cs nicht thunwürden. Der Rath nimmt seine Zuflucht zur Vermittlung eines Gen-fer Edelmannes, Ludwig's von Diesbach, welcher sich gerade in Gensbefand. Ludwig von Diesbach suchte vergebens die Hartnäckigkeit derPrädicanten zu überwinden. Was war zu thun! Die Rathsversamm-lung wird zusammenberufen, sie setzt die Prediger ab und gebietet demHeinrich La Mare zu predigen und am Ostertage das Abendmahl aus-zutheilen. La Mare verspricht seinen Gehorsam; Farel begegnet ihm,gerätst in Zorn, „schmäht ihn einen Feinlf und hochmüthigen Men-schen." La Mare fürchtet sich, er zaudert und gibt endlich nach.
Am Ostertage war das Volk in großer Menge bei St. Gervasiusversammelt, wo Farel predigen sollte, so auch bei St. Petrus, woCalvin angekündet war. Farel steigt zur gewöhnlichen Stunde auf dieKanzel und segnet das Volk. Seine Rede betraf nicht die Feier desTages, sondern sie war eine Gewaltthat gegen seine Feinde, welchemit den Worten schloß: „Heute werde ich das Abendmahl nicht aus-theilen." — Bei diesen Worten erhoben sich alle Anwesenden miteinem Male und schrieen den Prediger an. Das Abendmahl! dasAbendmahl! riefen sie. Farel gab ein Zeichen, daß er reden wolle.Der Tumult ließ nach. Der Redner heftete seinen Blick auf die Mengeund schrie dann mit donnernder Stimme: „Kein Abendmahl solchenTrunkenbolden und Hurern wie ihr seid!" In diesem Augenblicke wur-den die Schwerter bloß; Farel wäre durchbohrt worden, wenn ihneinige seiner Freunde nicht mit ihren Leibern gedeckt hätten.
Dieselben aufrührerischen Scenen, nur weniger gewaltsam, fielenbei St. Petrus vor, wo Calvin predigte.
1) Luthers Huus-PoM. Jen. Predigt um Pfingst-Montage.
2) Lolsec, Vio eie (mlvin, p. 24. öcc.