Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
192
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Ein andermal traf man bei einem qrmen Tropfen ein Spiel Kar-ten. Was glaubet ihr wohl, daß man dem Schuldigen gethan hat?Glaubet ihr, man habe ihn in das Gefängniß gesetzt? Diese Strafeschien Calvin zu milde zu sein: er wurde aus den Pranger gestellt, unddas Spiel Karten wurde ihm um den Hals gehängt.

Die Stadt hatte ihr gewöhnliches Aussehen verloren, sie wagtecs nicht mehr, sich der Freude und dem Vergnügen hinzugeben. DieWeinschenke war es allein, welche durch ihren lärmenden Muthwillendem Puritanismus Calvin's noch Widerstand leistete. Ihre Gäste, dieihr kennt, fanden sich alle Abende daselbst ein, sie rächten sich mit ihremSpott an dem Uebermuthe der neuen Priester. Da machte man sichrücksichtslos über Farel und seine Mitarbeiter am apostolischen Werkelustig. In der Mitte der Weinschenke brannte ein schlechter Lichtstum-pen, welcher, ich weiß nicht was für einen Fisch braten half, den manFaret" nannte: wenn der Fisch.gebraten war, reichte man ihn denTischgenossen dar, welche Herrn Farel ganz heiß verzehrten, unter un-aufhörlichem Gelächter über das zähe Fleisch des armen Prädicanten.Einer der Trinker, der ein sehr abgemagertes Gesicht hatte, stellteMeister Johann Calvin vor, welcher als angeblicher Sohn eines Faß-binders, Wein verlangte und in tiefen Zügen trank, mit niedergeschlagenenAugen und steifem Kopfe, wie er sich gewöhnlich zeigte. Einige Eid-genossen hatten sich den Namen gegeben: Herrn von der Artischoke;ihr Wappen waren zwei breite Blätter dieser Pflanze, in der Formeines Fächers. Richardet, der erste Syndicus der Stadt und JohannPhilipp, der Generalcapitän, hatten sich dieser Akademie von Lacherneinverleiben lassen, welche die Prädicanten auf eine schlaue Weise alsein geheimes Complot darzustellen verstanden hatten. Am Abende leertenun die lustige Schaar sehr viele Gläser Wein von Lavaux, wobei sieüber ihre Herren allerlei Witze machten. Der Eine fragte, wo derheilige Geist in der Bibel die Form bestimmt habe, nach welcher dieFrauen ihren Kopfputz richten sollten, und behauptete, Absolon wärevon Genf mit dem Banne belegt worden, wenn er sich nicht dazu ver-standen hätte, sich die Haare abschneiden zu lassen. Ein Anderer wolltewissen, ob der rothe Bocksbart, den Meister Farel trug, dem Bartegleiche, den Aaron getragen habe; ein Dritter, ob Lazarus, als eraus dem Grabe hervorging, bleicher ausgesehen habe, als Meister Jo-hann von Nopon. Einige Andere waren ernsthafter und fragten, wasdie Stadt gewonnen habe, indem sie sich einen Krüppel wie Farel undeinen Brustkranken wie Calvin zum Herrn gemacht habe? Wozu esgenützt habe, daß so viel Blut vergossen worden sei, um eine Freiheit