Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

wohnen müsse. Balard weigerte sich und antwortete, es sei abscheulich,dass man das Gewissen bedrücke, und daß die Menschen kein Recht mehrüber dasselbe hätten; es komme von Gott, Gott allein könne cs leitenund das seine verbiete ihm, die Präkicanten anzuhören." Dieß warenedle Worte. Die Zweihundert sahen einander an und wußten nicht,was sie dagegen einwendcn sollten. Man sagte, daß man sich beden-ken wolle.

Calvin bestand daraus und erklärte schnell, daß die Gewalt durcheinen Eid an das Formular gebunden sei, und daß sie hier mit kräf-tiger Hand behilflich sein müsse.

Balard wurde wieder vorgerufen.

Der Rath war vollständig versammelt: Ein Athanasius, Kaufmannauf dem Molardplatzc, forderte den Katholiken auf, sein Glaubensbe-kenntnis; abzulcgen: Balard antwortete:

Wenn ich auch wüßte, ob euere Lehre gut oder böse wäre, würdeich mich doch nie durch euch zwingen lassen, cs zu sagen. Ich könntewohl nur euch zu gefallen den Versuch machen, mich an die Glaubens-artikel zu halten, wie sie die Stadt hält und beobachtet, und ich wünscheals guter Genfer nichts Anderes zu thun, als was in Uebereinstimmugist mit dem, was meine Mitbürger thun. Wenn ihr aber meinGlaubensbekenntnis; kennen wollt, kann ich es euch darlegen, meineHerren. Ich glaube an den heiligen Geist, an eine heilige katho-lische Kirche, und habe von der Messe die Ansicht, welche jeder guteChrist haben soll."

Der Rath erließ an Balard den Befehl, Genf in zwei Tagen zuverlassen. Balard war aber schwächlich, krank, durch Sorgen undKummer ermüdet; er unterlag und schrieb an den großen und kleinenRath:Da man will, daß ich die Messe als böse erkläre, thue ichcs und bitte Gott und die Menschen um Verzeihung, welche über eineHandlung richten, die ich nicht hinreichend kannte."

Der Vcrbannungsbefehl wurde zurückgenommen.

Das Volk duldete stillschweigend diese Versuche des Despotismus,und begnügte sich damit, daß es über diese Bastardtyrannei lachte,

1) öenelller t. 1. Die Rathsurkundcn stellen diese Handlung in das Jahr 1536,Spon in das Jahr 1510, Gauthicr in das Jahr 1539. Balard ist der Ver-fasser einer Geschichte oder eines Tagebuches, in welchem er aus-eichnete, was sichvom Monate Oktober des Jahres 1525 bis zum Monate Deccmber 1531 zutrug.Das Werk schließt mit folgenden Worten:Ich habe die besprochenen Geschichten,die ich mit eigenen Augen sah, dem Andenken anfbewahrt, der ich unvcrdicnter-wcise in dieser Stadt Spndicus war im Jahre 1525, Aufseher im Jahre 1527,und ShndicuS im Jahre 1530. Gott sei Ruhm und Ehre. Amen."