Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
189
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Das damalige Genf bietet dem Auge des Geschichtschreibers einentraurigen Anblick dar: die Kirche sucht sich im Staate zu verlieren.Der Staat ist keine Dualität mehr, sondern eine Einheit, in welcherdie Gewalt das Amt des Apostels übt und das herrlichste Werk Got-tes so behandelt, wie Katharina von Bora Luthers Hauswesen, wennsie sich um die kleinsten Nebendinge in der Kirche annimmt. Hier istes der Staat, welcher sich um die Lehre, die Disciplin und das Predigt-amt der evangelischen Herde annimmt. Er schreibt auf die Mauernseiner Tempel: Heute werden zwei Reden gehalten, die erste nach demGottesdienste, die zweite um vier Uhr: man ist bei einer Strafe vonso vielen Gulden verpflichtet gegenwärtig zu sein: möge man es sichgesagt sein lassen.

Er sprach zu den Pastoren, welche Civilbeamte waren:Wa-

chet sorgfältig für die Bewahrung der reinen Lehre. Euere dogma-tischen Schriften sollen der Censur des Rathes unterworfen sein, das heißteinigen adelichen Apothekern, adelichen Kürschnern, und adelichen Uhr-machern Genfs.

An die Thüren der Wirthshäuser schlug er an: Wer immer denNamen des Herrn lästert, Gott zum Zeugen anruft und sein heiligesWort entweiht, wird ergriffen, vor den Magistrat geführt, mit einemVerweise bestraft und verurtheilt.

Jedem Bürger ist verboten, in seinem Hause ein papistisches Bildaufzubewahren, dagegen Handelnde werden zum Erftenmale mit einerGeldbuße, im wiederholten Falle mit Gefängniß oder Verbannung bestraft.

Unter den Mitgliedern des Raths, des hinkenden heiligen Stuhls,war nun ein Mann von großer Rechtschaffenheit. Er wurde im Jahre1529 erwählt, um unter den sechs ersten obrigkeitlichen Personen Platzzu nehmen, welche bestimmt waren, den Gerichtshof des Vicedom zuersetzen. Im Jahre 1530 war er Syndicus geworden. Als Genf ansein Rathshaus die kupferne Tafel gehängt hatte, auf welcher mit gol-denen Buchstaben geschrieben stand:Gewissensfreiheit," war er er-freut, und lebte im Vertrauen auf dieses Versprechen als Katholik fort,betete mit Andacht in dem Gebetbuche, welches man ihm gelassen hatte,und ging bei St. Petrus vorüber, ohne je hinein zu gehen, wennFarel oder Ealvin auf der Kanzel war.

Ter Theologe Calvin beherrschte den Rath; er klagte Balard an,dem der Befehl gerichtlich angekündet wurde, daß er der Predigt bei-

I) Die durch ihre Geburt ausgezeichnetsten Bürger gehörten dem KaufmannSstandean. Oaliüo, Xotices geneslogiguos, t. I. Introciuctioii, s»> XXXI.