welcher die Predigt des Meisters Wilhelm hörte, um seinen Glaubengefragt hättet, würde er in große Dcrlegcnbeit versetzt gewesen sein,euch eine Antwort zu geben. Er mag ein Franciscanermönch gewesensein, der in den Armen eines Freudenmädchens bekehrt wurde; ein Mit-glied des Rathes der Zweihundert, welches vom Wiedertäuferthume an-gesteckt wurde; ein Trödler, der die Eiboricn aus den Kirchen entwen-det hatte; ein aus Lyon wegen betrügerischem Banquerot verjagterFlüchtling; ein abtrünniger Priester, welcher in der Absicht, für seinenTreubruch Begnadigung zu erlangen, den Kanonikus Hugonin angcklagthatte, er habe Farel und Biret vergiftet; ein ehemaliger Staats-sekretär, Claudius Nosct, welcher die Beute, die man von den Ka-tholiken gemacht hatte, um einen Spottpreis kaufte; 2 ) oder ein Payist,welcher sich für einen kühnen Mann hielt, weil er früber sein Gewandin das Blut Werli's getaucht hatte und ein Heiligenbild in seinemSchranke bewahrte. Von ihrem bösen Geiste getrieben, hörten sie Alleden Prediger an, ohne zu wissen, welchem der drei Reformatoreneines Tages ihre Seele gehören werde, und waren bereit, dieselbehinzugeben, wem man wollte, für ein wenig Ruhe oder Gold: Leuteohne Glauben, bei denen man sich darauf verlassen durfte, daß mansie leicht für sich erwerben konnte, wenn man mit dem Schwerte oderder Rede umzugehen wußte. Wenn das Schwert des Herzogs vonSavoyen stärker gewesen wäre, würden sie als Katholiken gestorbensein. Calvin hatte ihnen ein Evangelium vorgelegt, welches sie zuhalten geschworen hatten, aber nicht bis zum Tode.
Sein Formular, welches im Geiste der Zeit'abgefaßt war, setzteeine dogmatische Autorität ein, die außer der Offenbarung lag. Es warein zweifaches Acrgerniß: gegen die Logik, indem dasselbe an die Stelledes geschriebenen Wortes ein Menschcnwort setzte, welches durch seineJncarnation in Calvin mit Unfehlbarkeit begabt war, und ein Aergernißgegen die bürgerliche Gesellschaft, die er umstürzte, indem er sie deskostbaren Gutes beraubte, der Gewissensfreiheit, welche sie sich für ihrBlut erkauft hatte. Dieses Formular war der Stein, auf welchen Cal-vin seine Kirche baute. Und diese Kirche wurde eine Schule und einGerichtshof —eine Schule, in welcher bei Strafe der Ver-
dammung jeder Schüler die Stimme seines Lehrers, trotz der lautenStimme seines Gewissens, hören mußte; — ein Gerichtshof, in wel-
1) OrOilke, Polices ^önouloj-iquos, 1, k., 180.
2) Ick., t. I., p. 347.