es noch Zeit ist, die Stimme Gottes, welche durch unfern Mundspricht.
Sie wollten eine neue Unterredung veranstalten, als der Syndi-kus aus einer kleinen Schublade eine mit dem Stadtsiegcl versiegelteSchrift hervorzog, welche wahrscheinlich von Farel und Calvin verfaßtwurde, und den Befehl der ewigen Verbannung für die Wiedertäuferenthielt, mit der Androhung der Todesstrafe, welche sic treffen sollte,wenn sie es wagen würden, das Gebiet der Republik wieder zu betreten.
Die Wiedertäufer unterwarfen sich der Gewalt und verließen Genf,wo schon eine große Zahl der Einwohner ihre Lehre angenommen hatte.Als sie bei dem Stadthause vorübergingen, erhob Einer von ihnen seineBlicke und las auf der Vorderseite des Gebäudes die lateinische Inschrift:
„Im Jahre 1535 rde in der Stadt Genf die heilige und ge-weihte christliche Religion, oder die Gemeinschaft der Heiligen in bessererOrdnung hergestellt, als sie es zuvor war; die genannte Stadt erhieltdie Gewissensfreiheit, die sie gegenwärtig genießt, und die Feinde wur-den durch ein außerordentliches Wunder Gottes verjagt; zur Erkennt-lichkeit der Nachwelt für eine so große Wohlthat, wurde diese Inschriftvon dem Senate und Volke Genfs an diesem Stadthause angebracht."
Calvin und Farel, welche gekommen waren, um die freie Forschunggeltend zu machen, erstickten dieselbe auf eine solche Weise bei demersten Kundgeben einer zwiespältigen Ansicht. Das Volk ahmte dieUnverträglichkeit seiner Priester nicht nach; es beleidigte die Wiedertäu-fer nicht, als es dieselben fortziehen sah. Einige versammelte Eidge-nossen lachten, nach ihrer Gewohnheit, in einer Schenke bei vollen Kan-nen Straßburger Bieres, laut über den Rath, den sie in ein Conciliumumgestalteten, und über die Feigheit ihrer beiden Päpste Farel undCalvin, welche ausgetreten waren, um den Buchstaben neu zu beleben,denselben aber nun nach dem Kampfe von Lausanne gefangen nahmen.Ihre Gespräche wurden dem Calvin durch einige Kaufleute der Stadthinterbracht, deren Handel im Kampfe um die Unabhängigkeit Genfsgelitten hatte, und die ihre Angelegenheiten um jeden Preis, selbst aufKosten des Princips, welches die Reformation verkündet hatte, herge-stellt wissen wollten: diese Kauflcute gaben den Eidgenossen den Namen„Libertiner." —
Calvin nahm in seinem Briefwechsel mit seinen Freunden diftebeleidigende Bezeichnung auf. Wer von diesem Tage an in einerSchenke saß, und über einen Punkt der Dogmatik Calvins und Fa-rels zu reden, oder über diese Doctoren, ihre Kleidung, ihre Beredsam-keit oder ihre Mimik auf der Kanzel sich lustig zu machen wagte, wurde