Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
174
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Als das Religionsgespräch in Lausanne zu Ende war, kamen Farelund Calvin nach Genf zurück und fanden die Stadt seit der Ankunftder neuen Apostel gänzlich in Aufregung versetzt. Der Rath hatte sichversammelt und die beiten Prediger ausgcfordcrt, daß sic an den Vor-schlägen Hermanns und Benedicts Theil nehmen sollten. Der Rathverlangte ein Gutachten von den Doctorcn. Farel erklärte:Wir wer-den disputiren."

Man setzte einen Tag fest. Das Kloster am Ufer wurde zum Kampf-plätze ausgewähit. Der Streit währte beinahe eine ganze Woche. Waswurde da verhandelt? Wir wissen cs nicht, denn der Protestantismushat die Acten der Disputation nicht aufgesetzt, wie von dem Gesprächein Lausanne; wir wissen nur, daß der Rath an Farel und Calvin denBefehl ergehen ließ, daß sie künftig allen diesenStreitigkeiten,die den Glauben mehr erschüttern, als befestigen," ihre Zu-stimmung versagen sollten. Dieß war nicht die Lehre, welche Farelin Lausanne aufgestellt hatte. Die Prediger mußten sich unterwerfen.

Nun wurden Hermann und Benedict vor den Magistrat berufen,der ihnen den Befehl ertheilte, daß sie sich zum Widerruf entschließensollten, wenn sie länger in Gens bleiben wollten.

Zeiget uns, worin wir uns geirrt haben!" sprach Hermann zudem Syndicus.Wir sind aus fernen Gegenden gekommen, um dieserStadt das Licht zu bringen. Man hat uns gesagt, daß ihr uns an-hören wollet, daß ihr uns behandeln wollet, wie die Katholiken euchbehandelt haben, die euch in Lausanne, Mvudon, Gruybre und Bernreden ließen."

Habt ihr denn nicht mit Calvin und Farel disputirt?" erwiederteder Syndicus.Ja, Bruder, und wir haben ihnen bewiesen, daß sieLehren der Lüge verbreiten. Wenn wir das Evangelium anführten,beriefen sich Herr Wilhelm und Meister Johann auf die Kirche. Siemachten es wie Oekolampadius, der uns vor dem versammelten Senateden heiligen Cyprian in seinem Briefe an Fivus anführte; den Origi-nes in dem Briefe an die Römer; den heiligen Augustinus in seinerSchrift gegen Donatus von der Taufe. Wir erkennen aber keineandere Autorität, als jene der Schrift: sie ist unser Felsen, unsere Burg,von welcher wir dem Satan und seinen Söhnen Trotz bieten. Ihr wißtdoch, daß Luther erklärte, in der Schrift sei keine Stelle, durch diewir des Jrrthums überführt werden könnten. Höret also, so lange

t) Spen. B. k. S. 275.

2) liastius, Iil>. I, k. 134.

3) I.utk. 8ermo contra anabapt.