Farel nicht; sie hatten aber das alte und neue Testament gelesen, vondem sie im Nothfalle die Zahl der Buchstaben hätten angeben können.Eines Tages fiel ihr Auge auf den Vers:
„Gehet hin, wer glaubt und getauft ist, wird selig;" und ihreAugen gingen ihnen auf, der heilige Geist hatte sie erleuchtet, sie hat-ten den Sinn dieses göttlichen Gebotes verstanden und sich wieder tau-fen lassen.
Unsere zwei Wiedertäufer grüßten die Stadt Genf und ihren ge-heiligten Wahlspruch „post tenebrss I.ux": das war das Licht, welchessie ihren neuen Gastfreunden brachten. Sie begaben sich in schwarzerKleidung mit der Bibel unter dem Arme zum Stadtrathe, und ver-langten mit dem Syndicus zu reden. Der Syndikus kam und stelltefolgende Frage an sie: „Was wollt ihr?" „Bruder," sprach Einervon ihnen, „wir wollen mit euern Predigern disputiren und sie bekeh-ren, denn sie lehren den Jrrthum."
Der Syndicus gab ihnen zur Antwort: — „Welche Lehre bringtihr uns; wir sind Kinder Gottes; Gott hat uns erleuchtet, ihr werdetwohl gesehen haben, als ihr in die Stadt eintratet, daß die Stadt alleAbzeichen des Papstthums zernichtet hat?"
„Das ist wahr," sprach der Bruder Hermann, „und wir dankenGott dafür, aber der alte Mensch besteht noch in euch; die ursprüng-liche Mackel ist noch auf eure Stirne geprägt; ihr müßt sie in einerzweiten Taufe abwaschen: die erste, welche ihr empfangen habt, warunwirksam, denn ihr glaubtet nicht an den für uns Sünder gestorbe-nen und wiedererstandenen Christus. Wir wollen mit euern Meisterndarüber reden."
„Zu dieser Stunde sind aber Meister Wilhelm Farel und MeisterJohann Calvin in Lausanne," sprach der Syndicus, „ihr Wort ver-breitet dort die Früchte des Lebens; bei ihrer Rückkehr sollt ihr mitihnen disputiren."
„Wir wollen warten," sprachen die Wiedertäufer, welche sich durchGebete vorbereiteten, um den Kampf mit den Genfer Doctoren zu bestehen.
„Damals fing die Stadt an, vom Wiedertäuferthume angesteckt zu wer-den," sagt Michael Roset; „selbst einige Rathsmitglicder zeigten sich der LehreMünzers und der Irrlehre des Anus geneigt." 0
1) „Man darf sich nicht verwundern," sagt Jakob Andreas, Prädicant und Kanzler ander Universität Tübingen, „wenn viele Calvinistcn in Polen, Siebenbürgen undUngarn Arianer und Muhamedaner geworden sind, indem sie den Weg gingen, denihnen die Lehre ihres Meisters Calvin gezeigt hatte." Hist, eie Loenu ^uß.toi. 455. ki. äo k.