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fern. Der Fremde erkannte sie leicht an dem Kreuze, welches sich aufdem Glockenthurme befand, oder an dem Bildnisse der Jungfrau Ma-ria, welches aus Holz geschnitzt, unter einem Laubdache stand. DiePriester fuhren da fort, das Wort Gottes ihren Pfarrkindcrn und eini-gen armen Seelen Genfs, welche Farcl nicht hatte verführen können,auszulegen. Am Sonntage verließen sie früh am Morgen ihre Woh-nung, wie Straßenräuber um sich schauend, die Thüren ihrer Häusel-doppelt verschließend, sich in weite Kleider verhüllend und einige Gebetean ihren Schutzengel richtend. Der Altar des Dorfes war bereitet;er war mit Blumen geschmückt, welche von frommen Händen gepflücktworden waren. Der Priester begann die Messe zu lesen. Wenn dieMesse vorüber war, ging Jeder in seine Wohnung zurück.
Eines Tages überfiel ein Haufe Häscher, — die mit Lanzen be-waffnet waren, die Weiler, in welchen Katholiken wohnten; sie hobendie Pfarrer und Pfarrverweser auf, und jagten die ganze Heerde derKinder Jesu Christi vor sich her. Der Rath war versammelt, die Predigerwaren zugegen: Bonnivard, der sein Mönchsgewand abgelegt hatte,Farel der Renegat, und Coraud, der Schützling Margarethens vonNavarra. Man forderte die Katholiken auf, dem Papstthume zu ent-sagen, ihre abgöttische Messe aufzugeben und ihren Gott, den manim Mehle esse; sie sollten dem Herrn im Geiste und in der Wahrheitdienen, das heißt nach der Genfer Weise. Da nahm ein alter Prie-ster das Wort: „Geehrteste Herren!" sprach er; „wie könnt ihr begeh-ren, daß wir unserm Glauben entsagen, der nun fünfzehn HunderlJahre dauerte? Ihr seid Meister geworden; aber ihr sollt nicht ver-gessen, daß wir mit dem Blute Jesu Christi erlöst sind; es ist nochnicht zehn Jahre her, daß ihr auch Katholiken gewesen seid, und ihrhabt die Reformation nicht an Einem Tage angenommen: laßt unsalso auch Bedenkzeit."
Der Obcr-Syndicus ließ sie in eine nahegelegene Kammer tretenund der Rath begann nun seine Besprechung. Bonnivard meinte,man solle den Papisten einige Tage Zeit lassen; aber Farel schrie:„Wollt ihr dem Werke Gottes in den Weg treten?" Man gewährteden Priestern einen Monat Frist, „und nach Verlauf dieser Zeit,"sagt der Geschichtschreiber, „konnten diese guten Geistlichen den Beweis-gründen der reformirten Doctoren nichts entgegenstellcn, sie unterwarfensich und hörten auf, Messe zu lesen."
1) kucliut, v. 5, p. KOo. LIss. Ctwuet, st, 39, 40. Schon, lk. 9—10.