Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
155
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lobenden Worten seinen Kommentar über den Brief an Titus.Ichglaube nicht, daß es je ein Paar Freunde gab, die in so großerFreundschaft lebten in Betreff der gemeinschaftlichen Unterhaltung über dieseWelt, wie wir in unserm Amte. Ich habe hier mit euch beiden dasHirtenamt verwaltet, wir waren so weit von allem Schein einer Miß-gunst entfernt, daß man glauben konnte, ihr und ich seien Einer. Wirsind später dem Orte nach getrennt worden. Du, Wilhelm Farel, bistvon der Kirche von Neufchatel berufen worden, welche du von derTyrannei des Papstthums befreit und für Jesus Christus erworben hast;und dich, Petrus Viret, hat die Kirche von Lausanne unter gleichenUmständen erhalten. Dennoch bewahrt jeder von uns die Stelle, dieihm anvertraut ist, eben so gut, als wenn wir vereinigt wären, dieKinder Gottes gleichen der Heerde Jesu Christi, sie sind wahrhaft ver-eint in seinem Leibe."

Farel hatte vorausgesehen, daß Genf nicht zwei Herren habenkönnte, daß ihn beim geringsten fleischlichen oder geistigen Streite Cal-vin gestürzt hätte, wie Luther es Carlstadt gemacht hatte, und daß ersich nicht einlassen dürfte mit einem Theologen, der weder eine Thräne

im Auge, noch Mitleid im Herzen hatte, der an seinem tödtlich ver-

wundeten Feinde vorüberging, ohne einen Tropfen Oel in die Wundendes Sterbenden zu gießen. Calvin vergalt dem Magister Wilhelm dieseNachsicht: er verzieh ihm, daß er in seinen Schriften die Auferstehungdes Leibes in Zweifel zog.

In Lausanne sollte eine theologische Disputation stattsinden, undFarel verlangte, wie einst Carlstadt in Leipzig, daß ein Schiedsrichtervon hohem Ansehen der Konferenz beiwohnen sollte. Der Clerus vonLausanne hatte sich diesem theologischen Turniere widersetzt, welchesgleich allen denjenigen, welche in Deutschland gehalten wurden, dasReich der Wahrheit nicht fördern würde, was auch Melanchthons Mei-nung war. Philippus glaubte, man solle Gott nur in sanftem,

friedlichem Stillschweigen suchen. Der Katholicismus fürchtete den offe-

1) Man hat von Farel folgende Schriften: 1. 'OOeses pnliliees st Lstle;2. Soininäirs äe In roligion ckretienne; 3. Oe orntione eloininicn; 4. Con-ference sves Luv Ourdit^; 5. Opitro nu (lue clv Oorrnine; 6. keponse äOnroli; 7.'Irsitö clu OurMtoire; 8. Oe glnive; tl. 4'raite eie In Lene;Ol. Oe vrni usnge <lo In eroix.

Viret ist bekannt durch seinen Commentar über das Evangelium des heiligenJohannes, welche zu Genf im Jahre 1553 in Folio heransgegebcn wurde unterdem Namen Firm. Chlorus.

8eneb. Len. lit., t. 1. p. 156.

Calvin's Wissen, Farel's Heftigkeit und Virct's Beredsamkeit, waren imscchszehnten Jahrhundert sprichwörtlich.