aber nicht, daß die Seele zur Zeit einer Revolution über ihre Willens-kräfte oft nicht mehr Macht hat, als der Leib über seine Bewegun-gen, da die einen wie die andern der Partei angchören, deren Sclavesie sind? Sein Vorgänger Johann von Savoyen hatte erfahren, daßfür einige überspannte Kopfe das Gift ein vorbeugendes Mittel lei.Petrus de la Baume konnte die Gefahr fliehen, ohne dadurch Mangelan Muth zu verrathen.
Genf hätte sich erkenntlicher zeigen dürfen gegen das katholftcheGpiscopat!
Nun noch einige Worte über einen andern Stern seines Ruhmes.
Eines Tages trat ein armer Mönch in den Laden eines Schu-sters, und verlangte ein Paar Schuhe; als er aber zahlen sollte, durch-suchte sich der Mönch vergebens, er hatte seine Börse einem Bettlergegeben, der ihm an der Brücke der Arve begegnet war. „Bruder,macht euch darüber keinen Kummer," sagte der Schuster, „ihr zahletmich, wenn ihr Cardinal werdet." Der Mönch wurde Cardinal undBischof von Genf. Es war de Brogny, der den Schusier nicht vergaß.Er machte ihn zu seinem Hausmeister und schenkte ihm eine Capelle,welche die Schustercapclle heißt. Tic Reformation riß die Statue desPrälaten nieder. Sie hätte sich erinnern sollen, daß der heilige
Bischof ein Freund der Armen war, daß er sie sogar in den Speichernaufsuchte, daß er in seinem achzigsten Jahre noch kein anderes Ge-tränk genossen hatte, als Wasser, daß er sogar am Vorabende vorseinem Tode fasten wollte, daß er in seiner Wohnung, man konntesic keinen Palast nennen, eine Bibliothek von siebenhundert BändenHandschriften aus allen Sprachen gesammelt hatte, und daß er der
Erste war, welcher den Plan gefaßt hatte, eine Akademie zu grün-den, in welcher die Studircndcn auf Kosten des Staates unterhaltenwerden sollten.
Im Zeitalter vor der Reformation war die Kirche von Genf derStolz der Christenheit. Das Papstthum liebte sie als seine theureTochter. Als die Stadt im Jahre 1430 von den Flammen zerstörtwurde, wandten der Bischof und das Volk ihre Blicke nach Nom,
und der Papst Fclir V. gab nach Picot's Bericht die Zusage, daß
von allen Bcneficien, welche während zwanzig Jahren in der Diecösevon Genf erledigt werden würden, die Einkünfte des ersten Jahresjedesmal der Stadt zukommcn sollten.
I) Histoiro cko Ccnöve, t. I., p, 126.