liger. Der von dem römischen Hofe gewählte Priester war genöthigt,gegen die heftigen Vorurtheile zu kämpfen. Der Schutz, mit welchenibn das herzogliche Haus bedeckte, war in den Augen des Volkes einGrund des Vorwurfs. Genf gewöhnte sich daran, in seinen Bischöfennichts anderes zu sehen, als von Savoyen erkaufte Creaturen. Dieaufgebrachten Herzoge verbargen ihre Absichten nickt mehr, sie gingenoffenbar auf die Eroberung des Eantons aus. Ihr Aufwand empörtedas Volk gegen sie. „Wenn sie im Sommer nach Hause gingen,sagt Bonnivard in seiner Chronik, öffneten sie alle Fenster, um sichder frischen Luft zu freuen, dann ließen sie sich ihre Gülte bringen, fürJeden einen Sold und eine Flasche Malvasier, dann entfernten sie sichwieder." das waren arge Tirannen, welchen ein Vaterlandsfreund, wie
Bonnivarr, den ernstlichen Vorwurf macht, daß sie im Sommer dieFenster öffnen, um die frische Gebirgsluft zu schöpfen! Wenn Calvinin Genf Blut vergießen wird, dann wird Bonnivard auch die frischeLandlust zu genießen suchen; aber er wird kein Wort zu Gunsten derOpfer des Theocraten in seine Chronik schreiben.
Die republicanischc Gesinnung war von muthigen Männern ver-treten, welche schon seit langer Zeit auf eine Trennung von Rom an-rrugen. Es war Berthelier, Besancon Hugues, Bonnivard, die beidenLevrier. Berthelier war ein wahrhaft deutscher Ritter, bereit für jedeIdee zu sterben, die ihm durch sein Gehirn ging, sie mochte thörichtoder edelmüthig sein: er war kalt in der Gefahr, und wenn er siebestanden hatte, ergab er sich blindlings, wie ein unbesonnener Junge,den Vergnügungen hin, in welchen er sein Leben nicht mehr schonteals aus dem Schlachtfelde.
Bonnivard schildert ihn vortrefflich: „Berthelier liebte die Freiheit,er hatte den Verstand, sie zu erkennen und den festen Muth, sie aufrechtzu erhalten; wenn er erlangt hätte, wonach er immer trachtete, weiler die Verständigen oft weniger eifrig sah, dieß zu thun, war er oftgezwungen, sich den Unverständigen anzuschließen, und sich bei meh-reren Vorfällen an sie zu bequemen, um sich dieselben zu erhalten.Deßhalb wurde er oft von Leuten, welche seine Absicht nicht kannten,getadelt, wenn sie ihn bei Banketten, Maskeraden, Spielen, Tänzenund ähnlichen Belustigungen trafen, ja sogar bei gewissen Verspottungen,welche gegen die großen Feinde der öffentlichen Sache erhoben wurden.Oft unterstützte er die Fehler junger Leute gegen die Gerichte, welchesie strafen wollten."
Berthelier hatte sich im voraus seine Rolle bestimmt. Diese Rollesollte öffentlich gespielt werden, in Wirthshäusern, im Nothfalle in