123
son; weltlicher Fürst, er gibt der Stadt öffentliche Gebäude, Spitäler,Häuser, in welchen Wohlthätigkeit geübt wird, Brücken und Straffen;Priester, er besucht die Kranken, öffnet seinen Palast den Dürftigen,seine Börse fremden Reisenden, und trägt Sorge für Wittwen undWaisen; er ist eine obrigkeitliche Person, er vollzieht die Gesetze undstraft diejenigen, welche sie übertreten. Cr ist der Mann des Volkes,der Bischofsstab, welchen er in die Kirche trägt, ist ihm von demVolke übergeben worden, und vielleicht war dieff eine Qual für Martin V.,daff dieser Wahlgebrauch geändert wurde, die Verbindung der Kirchemit dem Staate war bisher so günstig gewesen! diese Anhänglichkeitan die Gesetzgebung des Landes war eine der Beschwerden, deren sichdie Vaterlandssrcundc bedienten, um die katholische Einheit zu zerstören.Das Nebel war aber nicht unverbesserlich, die Vaterlandsfreunde warenspäter selbst genöthigt, um das sanfte Joch der Geistlichkeit zu klagen,als man es dem Despotismus Calvins verglich.
Das Domcapitcl, welches die alte Einrichtung wieder in's Lebenrufen wollte, wählte, als der bischöfliche Sitz unbesetzt war, Urban vonChivron zum Bischöfe; aber Sixtus IV. verweigerte die Einsetzungs-Bulle, und ernannte den Cardinal de la Rovere auf den bischöflichenStuhl von Genf. Die Wahl war glücklich. De la Rovere ist einerder Humanisten, welche im sechzehnten Jahrhundert an der Wiederer-weckung der Wissenschaften arbeitete, ein Freund des Erasmus. LaRovere nahm die Wahl nicht an.
Johann de Compois, welcher die öffentliche Meinung in Furchtversetzt hatte, wußte sich die Herzen bald zu gewinnen, ') indem erdie Freiheiten der Gemeinde aufrecht erhielt. Das Haus von Sa-voyen, welches in ihm auf eine geschmeidige Seele gerechnet hatte, sahsich getäuscht. Es brachte cs dahin, den Prälaten zu entfernen. Franzvon Savoyen folgte ihm, und Genf konnte die Verwaltung diesesBischofs nur lobend anerkennen. Bei seinem Tode wurde die Stadteine Beute neuer Zwiste. Das Domcapitcl wählte, von der Bevöl-kerung unterstützt, Karl von Seyssel, dessen Wahl von Rom nicht ge-nehmiget wurde. Der Papst ernannte Champion, den Kanzler von Savoyenzum Hirten der Kirche Genfs, Champion wußte über die Vorurtheile desVolkes zu siegen. Die Freiheiten Genfs fanden in diesem Prälateneinen muthigen Vertheiviger. Die öffentliche Meinung wurde aber mitjedem Tage dem Papstthumc, dessen Gesinnung sie verläumdete, feind-
t) ^siuas ksrv, s>.