Gewiß wird Genf die Namen eines Besan^on Hngucs, Johann Baud,Girard, Johann Philipp, der Bullin's und Vandel's, welche zur Be-freiung ihres Vaterlandes beitrugen, und beinahe alle zur Gesellschaftder Eidgenossen gehörten, nie vergessen.
Wenn aber der Geschichtschreiber den Huldigungen, welche diesenpatriotischen Gcmüthern dargcbracht wurden, auch ganz beistimmt; darfer doch nicht verbergen, daß sie die Reformation nicht aus Ueber-zeugung, sondern aus Politik annahmen: nur um Etwas zu retten, wassie dem Glauben vorzogen, nämlich die Freiheit. Die Felder vonMorat waren nicht fern von Freiburg. Als die Eidgenossen über siegingen, hätten sie einige Gebeine jener edlen Verbündeten liegen sehenkönnen, die für ihren Gott und für ihr Vaterland starben. In Frei-burg deckte vielleicht die Linde, welche weniger als ein Jahrhundertfrüher zum Andenken an den Sieg der Verbündeten katholischen Schwei-zer gepflanzt worden war, einen Sohn des Kämpfers, der bei diesemzweiten Marathon gefallen war, mit ihrem Schatten. Das war eineerhabene, für die Verbündeten aber eine vergebliche Lehre.
Als Bern mit seinen Schaaren von Missionären und Soldatenden Eivgenossen zu Hilfe kam, war Genf seinen Denkmalen und Sit-ten nach ganz katholisch; eine Stadt, in welcher Kunst und christlicheLiebe blühten, welche den Armen und den Gelehrten eine Freistättewar. Drei Volker ließen hier Keime ihres Characters zurück, derSavoyarde seine Redlichkeit, der Italiener seine Liebe zur Kunst,der Franzose seine sorglose Fröhlichkeit.
Seine Bischöfe hatten in ihren Palästen oft die deutschen Malerausgenommen, welche im Mittelalter nach Rom wallfahrteten; oderitalienische Künstler, welche die Schweiz durchzogen, um Frankreich zubesuchen. Die Einen wie die Andern bezahlten die Gastfreundschaftder Bischöfe, indem sie ihnen einen Ehristus aus Elfenbein, eine Statue ausEichenholz, oder eine auf Leinwand gemalte Madonna zurückließen, welchedie Bischöfe dann einer Kirche oder einem Kloster zum Geschenke machtenund nur die Bitte beifügten, daß man für den Wanderer beten möchte.Diese Gebete wurden noch verrichtet, als die Reformation die Bischöfeverjagte, die Statuen und Bilder verbrannte, und so ihre Grausam-keit, Gottvergessenheit und Unwissenheit zeigte. Genf hatte damals einschönes Museum, nicht zwischen vier steinernen Mauern eingeschlossen,sondern in freier Luft, im Angesichte der Alpen oder im weiten Schiffeeiner Kirche. Es zeigte mit Stolz dem Fremden die sechs Heiligen-bilder, welche das Franciskaner - Thor schmückten; die beiden Engel,