Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
113
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ves Genf; ein bevollmächtigter Gouverneur stand im Namen des Kai-sers der Verwaltung vor; der Bischof wie der Gouverneur wurde vondem Hause Oesterreich eingesetzt. Es entstanden Streitigkeiten zwischender Kirche und dem Reiche: Deutschland und Italien waren die beidenSchlachtfelder, auf welchen die Tiare mit dem deutschen Adler umdie Herrschaft der Welt kämpfte: wenn der Adler gesiegt hätte, wäredie christliche Civilisation in seinen Klauen erdrückt worden.

Während dieser beklagenswerthen Kämpfe bemühten sich in Genfdie beiden, damals getrennten Gewalten, von denen, die eine durch denGouverneur, die andere durch den Bischof vertreten wurde, das Jochdes Reiches abzuwerfen. Der günstige Augenblick erschien. DasConcilium vom Lateran that Heinrich V. in den Bann. Damals,sagt Chorier, hörten die Kirchen-Fürsten und, ihr Beispiel nachahmend,die Grafen und Herren auf, dem deutschen Kaiser die Pflichten zuerfüllen, die sic schuldig waren und erklärten sich für unabhängig: derAufstand wurde eine religiöse Handlung.

In dieser Zeit sah man durch die widerrechtliche Befreiung, eineMenge Grafen, Barone, Groste und Adeliche, Besitzer einiger MorgenLandes werden, auf welchen sie Herrschaften begründeten. Der Ge-schichtschreiber dieser Zeiten begegnet mit jedem Schritte, den er in die-sem Lande thut, einem Ritter, welcher sich einen Fürsten nennt, unddas Wappen Genfs in seinem Schilde führt. Diese Ritter stehenim Kriege mit Savoyen, das ihnen ein Stück Landes streitig macht,welches sie sich angeeignet haben; dann mit dem deutschen Reiche, wel-ches einen Anspruch zurücknehmen will, den sie sich angemastt haben;mit der Bürgerschaft, die ihre Freiheiten zurückverlangt; mit demBischöfe, welcher die weltliche Herrschaft begehrt und das Schwert mitder Insul vereinigen möchte. Es ist ein langwährender Kampf. Ererreicht sein Ende mit dem Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts, zuwelcher Zeit Villars, Graf von Genf, seine Rechte an den HerzogAmadeus von Savoyen durch Vertrag abtritt: dich ist der Ursprungder Ansprüche, welche diese Herzoge auf die Herrschaft von Genfmachten.

Die Gemeinde war bei all diesen Streiten nicht müfsig geblieben;sie war für ihre Befreiung thätig, organisirte sich, und erlangte mitjedem Tage neue Freiheiten: so gestaltete sich das Bürgerthum. Baldhatte Genf eine dreihäuptige Herrschaft: den Bischof, den Herzog unddas Bürgerthum: ein bizarres Wesen, dessen Handlungen eben so schwerzu folgen ist, als seine Rechte zu bestimmen sind; vielfach gestaltete

Audi»! Leben Calvin'S I. Bd. 8