Er war mit seinem Fcuerbilde, mit seinem von der Sonne ge-bräunten Angesichte, und seinem rothen nicht wobl gekämmten Barteganz geschaffen, in dem Volksdrama aufzutrctcn. Wenn ihr diesenHalbzwerg auf einen Eckstein stellet, so wird er, in den dichten Büschelseiner Haare gehüllt, das vorübergehende Volk in der Straße anhal-ten. Führet ihn in die Bergwerke von Mansfeld hinab, und die Berg-knappen werden ihre Amboße verlassen, um ihn anzuhören, und ihmzu folgen. Stellt ihn auf eine Kanzel, die von Bildern umgeben ist,und er wird nicht zwei Stunden sprechen, bis seine Zuhörer sich erhe-ben und mit ihren Händen alle bildlichen Darstellungen zertrümmern.Ein Mann der Rede und der That wird er einen Hammer ergreifen,und den Götzen zerstören. Eines Tages ging eine Procession durchdie Straßen der kleinen Stadt Aigle; der Priester trug das Allerhei-ligste. Farel treibt die Menge auseinander, geht unter den Thron-biinmcl, faßt die Monstranz, wirft sic zur Erde und entflieht. Lügen,Gewaltthätigkeiten, Aufruhr, Alles scheint ihm gut und recht, um dasPapstthum zu zerstören. Er glaubte eine Stimme vom Himmel zuvernehmen, welche ihm zuriefe: Vorwärts! und er schritt vor, wieder Tod Saurins, ohne sich um die rothen und blauen Gewänder zubekümmern, um die Mäntel von Hermelin und Seide, die Kronen derHerzoge und Könige, die heiligen Gefäße, Gemälde und Bildwerke,welche er nur für Staub achtete. Ucber Aesihetik, Geschichte, christ-liche Kunst, Ueberlieferungen, Formen, spottete er auf eine schamloseWeise. Wenn nicht Froment, Saunier, oder eine andere Seele dieGlut dieses südlichen Kopfes gemäßigt hätte, würde er von unfernkirchlichen Gebäuden keinen Stein auf dem andern gelassen haben. Umdie Welt zu züchtigen, würde Gott in seinem Zorn nur zwei oder dreigefallene Engel nothwendig haben, die aus dem Stoffe Farelsgebildet wären, und die menschliche Gesellschaft würde in Finsternißverfallen.
Er befand sich in der Schweiz, als Calvin vergebens den Versuchmachte, Italien zur Reformation zu bewegen. Montbeliard, Aigle nndVienne hatten, durch seine Lehre angeregt, ihre Mönche verjagt, undeinen neuen Gottesdienst cingesührt. Er ging nie in eine Stadt, ohnedaß sich die Einwohner nicht nm ihn schaartcn. Das Himmelreichleidet Gewalt, sagte er gewöhnlich, und erfüllte ohne Gewissensbisseseine Aufgabe, alles in Aufruhr und Zerstörung zu versetzen: selbst
I) Lrusini Li>i8towe. L>>iz. XXX., Iil>. >8-, i>. 708.