Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

deckte, und der Beweis war ohne Widerrede. In Liestal rief dasVolk, welches von den Magistratspcrsvncn aufgeregt worden war, denMönchen zu: Man soll ihnen die Lebensmittel entziehen. DerGeschichtschreiber hat nicht einmal ein Blatt der Erinnerung für diesearmen Geistlichen, welche doch das ganze Land des Hauenstcinj urbargemacht hatten.

Mehr als einmal wollte cs das Episcopat versuchen, diese leiden-schaftlichen Kämpfe menschlichen Gezänkes verbieten, in welchem der katho-lische Glaube weder Vortheilc noch Segnungen finden konnte; wäh-rend der Jrrthum, wenn er triumphirtc, das Gold in vollen Händendavon tragen konnte. Man hörte nicht auf die Mahnung. Wenn diePrälaten auf ihrer Forderung bestanden, wenn sie zu ihren gewöhn-lichen Waffen, dem Kirchcnbanne griffen, vertrieb man sie von ihrenSitzen. Dann nahmen Eapito (Köpflcin) und Oekolampadius (Hau-schein) ihre Stelle ein, und übernabmen das Amt des Richters, Theo-logen, Priesters und Bischofs. Zwingli, welcher die Feindseligkeiten dergeistlichen Gewalt voraussah, hatte einen Eultus organisirt, in welchemdas Pricstcrthum, dem Evangelium zu Folge, in dem Geiste jedesEhristcn ausgegosscn war; '() so das; die Senatoren, welche ge-stern das Amt eines Theologen verwaltet hatten, am folgenden Tageüber die Priester nach der Ordnung Mclchisedcchs ihre Obhut ans-übtcn.

Die religiöse Gestalt des Landes war in der Schweiz bald ver-ändert. Basel, Neuchatcl, Zürch und Ehur nahmen die Reformationauf. Das Werk Luthers war aber verderbt worden; man kannte csnicht mehr, so gänzlich hatte man cs umgcstaltct! Bei jedem Lehrsätzeeines neuen Evangelisten erhob sich der sächsische Mönch, um dieungelehrige Seele zu verdammen. Als Oekolampadius starb, ließLuther den Teufel ins Spiel treten, um das plötzliche Ableben desTheologen zu erklären. Als Zwingli bei Kappel in seinem Kampfegegen die kleinen Eantonc siel, dankte der Doctor Gott, daß er denFeind des heiligen Namens Jesu von dieser Erde hinwcggenommenhabe; während Beza den Zwingli als einen guten Menschen besang, dessenSeele von Liebe zu Gott und dem Datcrlande erfüllt gewesen sei. Erhabe gelobt, für Gott zu leben und für Zürch zu sterben, was er dann

1) Hetlinger, p. 191. Ilucllnt, llistoire de In retorwnlion de lla Luisse,t. 1.230.

2) Zwingli war entschieden rcvublikanisch, wie Calvin; darnin wallten beide'dieapostolische Gleichheit unter allen Geistlichen ohne Aufseher. Paul Hcnrp,Bd. I. S. ISS.