Heu Man hätte ihn nach den Gesetzen des Landes zur Ruthenstrafeoder zu den Galeeren vcrurtheilen können.
Die Verbannung zerriß die Bande nicht, welche Calvin mit derHerzogin von Ferrara vereinigten, sie knüpfte vielmehr dieselben vonnun an immer enger. Von diesem Augenblicke an fand ein brieflicherVerkehr zwischen der Prinzessin und dem Reformator statt. Die Tochter-Ludwigs XII. war genöthigt, in Frankreich eine Zufluchtsstätte zu suchen.Sic kam und bewohnte das Schloß von Montargis, dessen Ruinen nochheut zu Tage die Seele des Künstlers so mächtig bewegen, und wel-ches durch seine mächtige Größe die Herzogin an den Diamantpalastin Ferrara erinnerte. Von Zeit zu Zeit öffneten sich die Thore desSchloßthurmes, um einen Boten einzulassen, welcher der VerbanntenNeuigkeiten von Calvin brachte. Des Theologen ganzes Bestrebenging darauf hin, daß er der Reformation diese königliche Errungen-schaft erhielt. Er suchte die Prinzessin gegen die Angriffe ihres Mannesund des Jnquisitor's Oritz zu bestärken. Einen Augenblick konnte Genfglauben, der Hof der edlen Dame sei ihnen abgcfallen und zum Katho-licismus zurückgekehrt. Calvin ließ in einem kleinen Schreiben Worteder Furcht und Trauer fallen. „Man hat mir eine betrübende Nach-richt gebracht: man sagt, die Herzogin von Ferrara habe den Drohun-gen und Vorwürfen nachgegeben: die Beständigkeit ist doch eine selteneSache unter den Großen!"^) Calvin täuschte sich; die Herzogin setzte indiesem andern Pathmos das Werk Calvins fort, sie las die Bibel infranzösischer Sprache, verfluchte den Antichrist und begünstigte öffentlichdie Parthei der Reformirten.
Eines Tages ließ der Herzog von Guise, welcher Anna vonEste, die Tochter der Renata geheirathet hatte, der schönen Muttermelden, wenn sie ihre Unitriebe gegen die Ruhe des Staates sortsetzc,werde er in eigner Person kommen, und sie in dem Schlosse vonMontargis belagern. Die Herzogin erinnerte sich, daß sie die Tochter-Ludwigs XII. sei und antwortete dem Abgesandten des Herzogs:
„Bedenket wohl, was ihr thut, und daß ich mich als die ersteunter die Bresche stellen werde, wo ich dann sehen will, ob ihr dieKühnheit habet, die Tochter eines Königs zu tödten, deren Tod Him-
t) )Ia nel presente ,in»o veggenllo si scoperto gnesto tupo, se ne kuggi.-i Cinevrs.
2) l»e vnclsse ?errgriensi tristis nnnoius uc certior gu»m veilem, minis»e proöris viewm ceeickisse. ()»"! elieum, nisi rnrum m proeeritmsesse eonslantiae exempinm. AIss. (toill. d'iirello, nov. 1554.