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aufnehmen wollen. Ferrara war seinem Himmel, seiner Muse, undseinem Kultus treu geblieben. Rom hatte ihm kurz zuvor einige schöneGemälde von Raphael, Andrea del Sarto und Vecelli zum Geschenkegemacht. Während Calvin den Bildern den Krieg erklärte, öffnete sichder Boden Italiens überall, um die Bildnisse der Götter, welche seitjo vielen Jahrhunderten in der Erde schliefen, an das Licht zu brin-gen. Die katholische Muse war bei diesem Erwachen der Materie mitihren Gesängen gegenwärtig, die sie in alle Sprachen kleidete: glück-licher Weise war die triumphirende Reformation noch nicht dagewesen,um das Grab zu verschließen und auf immer zu versiegeln!
Wir baben eine Lebensbeschreibung Calvin's vor unfern Augen,welche von einem Prediger der evangelischen Kirche Berlin's verfaßtwurde. Wir haben gerade das Blatt ausgeschlagen, auf welchem derVerfasser der „christlichen Unterweisung" Italien verläßt und nachNoyon zurückkchrt, dessen Kirchhof Alles umschließt, was er auf dieserWelt lieben soll. Tein Vater ist nicht mehr, seine Mutter ist auchtodt, und die Asche des guten Abts von Hangest ist schon seit langerZeit erkaltet. Wir erwarten Calvin -zu der Stunde, in welcher erdas geliebte Land betritt, welches das Herz jedes Verbannten höherschlagen läßt. Wir erinnern uns des kleinen Kirchhofes, in welchemLuther, am Abende vor seinem Einzüge in Worms, auf den Steinniederkniete, welcher den Leib eines armen Bruders umschloß, den erso zärtlich geliebt hatte. Damals vergaß der Mönch Papst und Kai-ser, er dachte an nichts mehr, er konnte nur seinen Freund beweinen.In Nopon ruhen Ncbcrrcste, welche für Calvin weit theurcr sein soll-ten. Zwei Kreuze von Holz erheben sich, auf dem einen liest manden Namen seines Vaters, aus dem andern den Namen seiner Mutter.Davon sagt er aber kein Wort in dein Briefe, den er an einen seinerFreunde schrieb. Er hatte also keine Thränen? Oder wenn er weinte,verbarg er wohl diese Thränen, wie die Zeugen einer schlimmen That?In den Augen der Reformirten hatte er vielleicht recht: denn er ver-dammt in seiner „christlichen Unterweisung" die Verehrung der Tobten,das Feg, an welchem die Kirche ihre glorreichen Kämpfe auf dieserErde besingt, das materielle Zeichen des Kreuzes, das Fegscucr .undjvgar das Gebet, welches die Seele den Hingeschiedenen weiht. Ister nicht noch weiter gegangen, hat er nicht sogar alle Diejenigen alsnnerlöslich verdammt, welche im Schooße des Katbolicismus sterben?Ihr wißt, daß er den Papst als Antichrist darstellt, und daß er unsereKirche zu einer Hure und unreineil Tochter Babvlon's macht. DieMutter aber, welche ihn tränkte, der Vater, welcher in ernährte, der