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einlassen konnte. Wie Margaretha von Navarra, hatte sie Neigungfür die neuen Lehren, weniger aus einem Hange ihres Herzens, alsaus Haß gegen die Tiare, „sie fühlte noch das Unrecht," sagt Bran-tosrne, „welches die Päpste Julius II. und Leo X. dem Könige ihremVater so vielfach angcthan hatten; sie läugnete ihre Gewalt, und ver-weigerte ihnen den Gehorsam, sic konnte nickts schlimmer machen, dasie eine Frau war.
Um die Herzogin zu sehen, nicht um sein Genie an der SonneItaliens zu erwärmen, hatte Calvin die weite Reise unternommen undeinen Theil derselben zu Fuß zurückgclegt. Er hat uns keine Reise-berichte hinterlassen, wir wissen nicht, ob er kalt blieb beim Anblickedieser kunstgeschmückten Stadt, wie Luther. Er kam hieher, um seineLehre unter dem Namen Carl's d'Espeville auszubreiten, uneingcdenkdessen, was Luther gethan hatte, der seinen Namen nicht wechselte, alser von Wittenberg nach Worms ging. Am Hose von Ferrara trafCalvin mit Madame de Soubise, ihrer Tochter Anna de Parthenayund ihrem Sohne Johannes zusammen, der später eines der Häupterder protestantischen Partei wurde.
Hier lebte Marot, der Secretär der Herzogin, welcher sich mitaller Gewalt in die Angelegenheiten der Theologie mengen wollte. Erbeschäftigte sich damals mit der Uebersetzung der Psalmen in französischeVerse, obwohl er kein Wort von der Sprache der Verfasser der heili-gen Bücher verstand, die er in seiner gasconischen Prahlhanserei derVergessenheit zu überliefern glaubte.
Trotz ihrer Abneigung gegen das Papstthum wollte die Herzoginim Beginne dieses Jahres mit dem römischen Hose Frieden schließen.Es wurde zwischen dem Papste, dem Kaiser und der Herzogin von FerraraFriede geschloffen. Einer der Artikel des Vertrags lautete, daß dieFranzosen, deren unruhigen Geist man fürchtete, aus den Staaten Ferra-ras verbannt sein sollten. Marot zog sich daher nach Venedig zurück,in seine kleine Wohnung, in der Nähe des Lido, wo er die Zwiste die-ser Welt beim Anblick der Sonne des Ostens, die er jeden Morgenin seine poetische Hütte scheinen sah, gänzlich vergaß. Auch Calvinwar genöthigt, sich zu entfernen. Er nahm die Erinnerung der gutenAufnahme mit sich, die ihm die Herzogin geschenkt hatte, und die Hoff-nung einer bessern Zukunft für Italien, welches seine Lehren nicht hatte
1) Koröri, srticle kenüe ck« b'rance.
2) Ikoiuus Mecrie: Hiswire ckes iirogrös ck« Is rökorme en Italio, au 18.«iecle, P. 77.