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1 (1843)
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in dem wundervollen Schauspiel seiner Feste, Kirchen und Museen nichtsAndres, als ein Wiederaufleben der Thorhciten des Hcidenthums. Erglaubte in das Rom der Cäsaren versetzt zu sein. Ein Kind desNordens, stellte er in seinen Gedanken dem Glanze des italienischenEultus die Ceremonien seiner Allerheiligenkirchc gegenüber, und glaubte,die Wahrheit müßte ein Kleid von rauher Wolle tragen und kein Ge-wand, das von Rubinen glänze. Seine ästthetische Bildung war nichtsehr weit vorangerückt, er begriff die geheimnißvollen Harmonieen derlateinischen Liturgie nicht, die sogar mit dem Himmel übereinstimmte,der sich über Rom ausbreitete. Ein Land, dessen Sonnenstrahlen sowarm, dessen Morgenröthen so herrlich, dessen Fernen so voll vonAzur, dessen Lüfte so hell sind, hat Tempel von Marmor, Altäre vonPorphir, Kelche von Gold, und priesterliche Gewänder, die von Edel-steinen glänzen, nothwendig. Nie wird ein Volk, das auf der StraßeArrians wandelt, mitten unter Mausoleen, Tempeln, Bädern, Wasser-leitungen, griechischen und römischen Bildhauerwerken, zugeben, daßsein Gott unter einem Strohdache wohnen solle. Um ein solches Volkzu zwingen, daß es den Eultus der Form ausgebe, müßte man ihmeine andere Natur und einen andern Himmel geben. Die Allmacht dersächsischen Lehre wäre wohl an diesem zweifachen Wunder gestrandet.Später lernte Luther begreifen, daß die Wahrheit die materiellen Nei-gungen eines Volkes nicht zum Opfer verlangen könne; er vertheidigtemit großer Beredsamkeit die Bilder gegen Carlstadt, diesen zuchtlosenKämpfer der Reformation, der sie aus dem christlichen Tempel verdrän-gen wollte. Es ist erwiesen, daß die Stimme des Erasmus, ganzvom Zorne bewegt, Deutschland diesen Angriff auf die durch Menschen-hand vergeistigte Materie angekündet hatte.

Calvin hatte ihn noch nicht gehört, als er seinechristliche Unter-weisung" verfaßte, in welcher er der christlichen Seele Abneigung ge-gen die Bilder cinzuflößen suchte; er wurde von carlstadt'schen Ideenbeherrscht, als er gegen Ende März 1536 Basel verließ, um nachFerrara zu gehen.

Ferrara war eine Stadt der Mönche und Gelehrten, in derenMitte sich ein Marmor-Palast erhob, den man den Diamantenpalastnannte. Er war von einem Kranze von Gärten umgeben, welche Her-kules von Este verschönert oder selbst angelegt hatte. Es war der

1) Lrasmi epistolae, passim.

2) Paul Henry, Bd. I-, S. 153.