den Auftrag erhielten, dasselbe in den nahen Provinzen zu vertheilen.Da glaubten die einfältigen Gemütbcr, die sich nicht auf das ReichGottes verstanden, ihr Tagewerk sei vom Himmel gesegnet, weil esglücklich war. Ein Geschichtschreiber aus der Zen der Wiederbelebungder Wissenschaften bat diesen kaufmänischcn Proselvtismus mit froherBegeisterung geschildert:
„Mehrere Geschäftsgcnosscn deutscher und französischer Buchdruckerkamen auf die Nachricht, die ihnen großen Gewinn verhieß, und ver-breiteten sich überallhin, um Bibeln, Katechismen, und andere solcheBücher, und insbesondere gereimte, gezierte, geglättete und zugerich-tetc Psalmen abzusetzen. Schon die Niedlichkeit dieser Bücher war fürdie Damen zur Lectüre einladend, und wenn die habsüchtigen Kauf-leme den Gewinn nur rochen, scheuten sie sich nicht, die Meere zudurchsegeln, Tausende und Tausende den Stürmen anzuvertrauen: aufgleiche Weise verhausirtcn einige von diesen Buchhändlern aus Ge-winnsucht, und um bessere Geschäfte zu machen, in den Städten undauf dem Lande, in den Häusern der Adelichen kleine Putzwaaren fürDamen, wobei sie kleine Büchlein, die sie unter ihren Waaren ver-borgen hielten, den Töchtern zum Geschenke machten; das geschah aberverstohlens, wie mit einer Sache, die man für sehr kostbar hielt, umdamit mehr Lust zu machen. Diese Boten und Läufer einer so üblenHandelschaft wurden oft die Beute der Flammen, in die man sie warf,wenn man sie auf der That und dem Verschleiß dessen traf, was ihnendurch die Gesetze verboten war. Diejenigen, welche ihre Geschichtengejammelt haben, sind ergötzlich, wenn sie diese Hausirer im Parle-mente schildern, wo sie wie gelehrte Doctoren sprechen. Johann Chapot,sagen sie, ein Verkäufer von Büchern, die er von Genf brachte, setztedas ganze Parlament von Paris in Staunen, durch eine sehr gelehrteund sehr fromme Vorstellung, welche er den Räthen machte: es warihm gestattet, mit drei Doctoren der Sorbonne zu disputiren, welchesich nicht mit ihm einlassen wollten."
Indessen gelangte der Ruf von diesen Frauen, Prädicanten undHausirern bis nach Paris. Die Sorbonne wurde aufgebracht, unddrohte der Sache durch einen Beschluß ein Ende zu machen. DerKönig, welcher die Ehre Margaretha's, seines Augapfels, schonen wollte,berief sie nach Paris. Die Königin kam an, begleitet von Herrn deBuri, dem Gouverneur von Guyenne, und von Herrn de Roussel,ihrem Almosenier. Es fand eine Zusammenkunft statt, welche stürmischwar. Margaretha beklagte sich, weinte, bat, man solle Roussel,Coraud und Berthaud hören, welche die wahre Lehre vortragen. Der