Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

Postel hatte auch lichte Momente. In diesen war er von allenmöglichen Kenntnissen wunderbar erfüllt, Franz I. vertraute ihm dieLehrstühle der Mathematik und orientalischen Sprachen an, und diegelehrte Welt konnte den Scharfsinn des Monarchen nur preisen.

Diese Beförderung der klassischen Wissenschaften war nicht die ein-zige, welche der Scharfblick Franz I. begünstigte.

Die Klöster hatten ihre Zeit gedient. Die Wissenschaft suchte sichzu verweltlichen und aus den Klöstern herauszutreten, in denen sie solange Zeit gepflegt und geehrt worden war. Die Welt hatte das Be-dürfnis sich den rechtsgelehrten Studien zuzuwenden, um gegen denDespotismus des Feudalwesens aufzutreten, der so lange auf ihremGeschicke gelastet hatte; es fehlte ihr an Herden der Aufklärung undder Regsamkeit. Franz I. erwarb sich den Ruhm, in Frankreich Lehr-stühle für das römische Recht zu errichten, zu denen Bologna das Vor-bild war. Er berief den Rechtsgelehrten Alciati, der am 29. April1529 zu Bourges die Schule eröffnete, welche auf die Civilisationeinen so mächtigen Einfluß ausüben sollte. Diesem Fürsten verdanktes Frankreich, daß es das Recht erfaßte, andere Ideen in Antrag zubringen, welche die Zukunft beherrschen sollten. Es ist ein schönerAnblick, den uns ein König bietet, wenn er auf den Bänken derUniversität zu Bourges den Vorlesungen Alciati's beiwohnt und seinenDichter Marot gegen den Zorn der Sorbonne schützt.

Dieser Zorn war gerecht. Marot hatte Frankreich verlassen undbesang alle Höfe, welche sich darum stritten, ihm eine Zufluchtsstättezu gewähren. Er war ein Tadler, Epigrammatist,der in seinen Ron-deaus, Balladen, Reimgedichten und poetischem Allerlei" den Lutheranerspielte, um nicht seinen Brüdern in Apollo zu gleichen, welche in dieMesse gingen, am Sonnabende Fastenspeisen aßen; er widersetzte sichaber im Grunde der Zumuthung der Ketzerei mit der man seine Musebeschimpfen wollte.

Sie nennen Lutheraner mich;

Mit welchem Recht? Ich bin es nicht."

Die Herzogin d'Etampes, welche sich daran wie an einem Ge-schmeide ergötzte, wollte den Dichter wieder sehen, der sich in der Ver-bannung langweilte, und vor Begierde brannte, nach Paris zurück-zukehren. Die Herzogin hatte ihrem königlichen Geliebten einigeVerse gezeigt, in denen Marot von Franz I. sagte:er würde michzurückrusen, wenn er wüßte, wie nüchtern jetzt meine Rede ist: denndiese Lombarden, mit denen ich lebe, haben mich schon gelehrt, eingutes Gesicht zu machen."

Audi»: Lebm C»l»in's I. Bd.

5