Kopfe. Dieser Schatz ist nach seiner Meinung nur noch nicht großgenug; Reisen versprechen ihm neue literarische Reichthümer. Aberwelch ein Unglück trifft ihn! Die Wissenschaft hat seinen Verstandirre gemacht. Postel ist Rabbiner geworden, es erscheinen ihm Gesichte,ein Engel, der Erzengel Raziel offenbart ihm die Geheimnisse desHimmels. Er träumt von einer Univcrsalreligion, deren Papst er seinwird, er läßt seine Schrift von der „Eintracht der Welt" drucken, inwelcher er Franz I. mit dem Titel eines Universalmonarchen begrüßt.Dem neuen Propheten fehlt es an einer neuen Welt. Er geht nachRom und wird Jesuit, „weil," wie er sagte, „die Lehrweise der Schü-ler Lopola's nach jener der Apostel die vortrefflichste ist, welche es jeauf der Welt gab."
Von Rom geht er nach Venedig: da findet ihn ein Weib vonfünfzig Jahren, die ihn erleuchtet und begeistert. Postel schreibtnach ihrer Angabe sein Buch: .,cls vineulo muucki," seine Abhandlungvon der Mutter Johanna, oder den höchst wunderbaren Siegen derFrauen, „I« prime nove clel alten momlo," in welcher der Verfasserseiner irdischen Hülle entkleidet, mit dem Leibe eines Engels angethan,nur mehr von der Luft lebt, und der Welt die Erscheinung einervenetianischen Jungfrau ankündet, die jener Frau gleicht, welche dieSaint - Simonisten drei Jahrhunderte später im Oriente suchen. Dasgottbegeisterte Mädchen weissagt Zeiten, in welchen der Papst den aller-christlichsten König zum Minister seines neuen Reiches nehmen wird,die Türken gläubig werden und sich taufen lassen. Postel, der „geist-liche Vater der Jungfrau," scheint in diesem wundervollen Buche eineAhnung von Mesmer gehabt zu haben: er lehrt geradezu, der mensch-liche Blick könne örtlich durch dichte Körper schauen.
1) itetractstinn cle Ouillsnme t'ostel, insnuscrits 6e Is dibliotlieciue «turot. — ltlem. cte l'scsct. ctes inscription5 et dolles - lettres, t. 15.
2) In snn in tsl ,Iisi>nsiiiiniio cl,e ne sstiets, ne lnsn^nn «lei msn^isreo deie, non ton null» in me, irnperoelie qn.isi tntta Is nsturs «leieil,o 56 ne vn in sria et si ctiviss tsl elie s penn Is centesims partese ne vs >ier In vis nstursle.
3) liome sin pnssiliile ckie sinn» tslmente s>>eiti li ooetri «ti uns peisonn»cde lei possi vollere locslinentv s trsnorsn i eorpi seuri, nver l>ueIIoclle nissunn sllrn vecie.
Dic königliche Bibliothek in Paris besitzt ein Ereinhlar dieses apvcalyp-tischcn Buches. Es führt den Titel:
I.o >>rinie nnve ctel sltro inonctn, eine si sciinii sdile kistnris e nonwenn neeesssris et utile (Is esser lett» et intess «in ngni cke stu-,>en«ts intitulnt» Is vereine venotisns.
Psite vists, psrto provsts o liitelissiinsmenle scritts z,er (iulielmnl'nstelln, priiuOAeuitn ckells restitutione et «iiiritusle t'sckie cki essnVereine. 1523.